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Kate K.

Herrenschneiderbuch

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Ich bin fleißig beim Abpausen und lerne dabei dazu. @MiW: du kannst schon beginnen, das Kapitel "Die Benutzung des Schnittmusterbogens" ab Seite 204 im Buch von Steimann zu lesen.

 

Die Typographen haben sich mit den Symbolen für Linien ausgetobt :) So hat jeder Teil eigene Liniensymbole (und nicht alle Teile eines Kleidungsstücks dieselben). Außerdem sind die Nummern der Schnitteile bunt über den Schnittbogen verteilt. System Adler ;-) Einige Teile habe ich ziemlich lang gesucht.

 

In manchen Punkten hatten sich offenbar schon damals Konventionen für Schnittmusterhersteller entwickelt, denen noch heute gefolgt wird, zB die Darstellung von Falten "x auf o" legen, die Darstellung von Knopflöchern oder die Darstellung von Einschnitten als schmale Doppellinie. Es wurden schon Zahlen zur Markierung zusammengehöriger Teile verwendet (wenn auch inkonsequent). Es gibt auch schon dicke Punkte als Markierung dafür, wo eine Naht beginnt oder endet und es ist angeschrieben, wo gedehnt oder eingehalten werden soll.

 

Fadenlaufpfeile sind manchmal vorhanden, manchmal nicht. Bei Kleinteilen eher nicht vorhanden. (Allerdings wurden die aus Rücksicht auf Stoffersparnis ohnehin so aufgelegt, wie es sich am besten ausging.)

 

Manchmal gibt es Anstoßlinien für Besätze oder für aufgesetzte Taschen. Andererseits muss man Ausschnitt- und Schlitzbesätze oft auch selbst einzeichnen und als extra Schnittteil rauskopieren.

 

Manche Teile enthalten Verlängerungspfeile, wenn zB das Hosenbein nicht ganz auf den Schnittbogen passt. In der kleinen Zeichnung am Bogenrand finden sich dazu die Maßangaben, auf welche Länge verlängert werden muss und wie weit das Hosenbein unten (und in Kniehöhe und in Oberschenkelhöhe) sein soll.

 

Einfache Teile sind nur verkleinert dargestellt und bemaßt. Die Schnitteile dafür muss man sich also selbst zeichnen.

 

Anders als heute war die Bedeutung von "Stoffbruch". Heute heißt das, dass man den Stoff doppelt legt und den Schnitteil mit der "Stoffbruchlinie" an den Bug legt. Wenn man dann ausschneidet, kriegt man den ganzen Teil (zB Rücken). So erklärt Steimann das im Prinzip auch im Buch. Allerdings wird bei den Schnitten "Stoffbruch" auch als Markierung verwendet, wenn ein Teil nicht ganz auf den Schnittbogen passte und über die Stoffbruchlinie gespiegelt wurde. zB bei einer Pyjamahose ohne Seitennaht, bei der hinterer und vorderer Hosenteil übereinander dargestellt sind und bei einem Ärmel, wo das obere Eck nicht mehr Platz hatte und in den Ärmel reingespiegelt wurde.

 

Dabei sollte man auch im Hinterkopf haben, dass die meisten Stoffe damals deutlich schmäler waren als heute (weil die Webstühle kleiner waren). Leinen- und Baumwollstoffe lagen zumeist 80 cm breit. Stoff in Längsrichtung in der Mitte falten und alle Teile drauflegen und doppelt zuschneiden spielte es so also nicht.

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Ich bin fleißig beim Abpausen und lerne dabei dazu. @MiW: du kannst schon beginnen, das Kapitel "Die Benutzung des Schnittmusterbogens" ab Seite 204 im Buch von Steimann zu lesen.

 

 

 

Werde mir die 6 Seiten mal ausdrucken und in Ruhe durcharbeiten. Da habe ich heute eine schöne Aufgabe. ;)

Habe mich auch nochmal in einer PN an dich gewandt und bedankt.

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Dazu, wie weniger begüterte Menschen seinerzeit zu Kleidung kamen, ein Zufallsfund meiner Recherchen zu historischen Schneidereifachbüchern:

 

Ein Aufruf von 1848, in dem ein ein Comité zur Unterstützung mittelloser Gewerbsleute in Wien bekanntgab, dass Nationalgarden ihre Wintermäntel bei mittellosen Schneidern billig und gegen Ratenzahlung anfertigen lassen können:

Wienbibliothek - wbr01 / Kundmachung [Wien,... [1]

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Tipp:

 

 

Isabel De Nyse Conover, A complete course in dressmaking, New York 1922.

 

Umfasst 12 Bändchen ("Lessons"), das letzte heißt: Men's Clothes ("How to tailor men's shirts, nightshirts, pajamas, bath robes

and drawers. Making neckbands, cuffs, soft collars and neckties explained in detail. Learn to make men's clothes a man's way) und ist hier: A complete course in dressmaking : Conover, Isabel De Nyse. [from old catalog] : Free Download, Borrow, and Streaming : Internet Archive herunterladbar,

 

 

Gruß, Toque

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Danke, Toque!

 

Ich habe die anderen "dressmaking" Titel in archive.org ein bisschen durchgeblättert und bin bei einem hängen geblieben, das sich mit einem Thema beschäftigt, das wir in diesem Thread auch schon diskutiert haben: Wie kamen die Leute früher zu ihren Kleidungsstücken?

Das Buch heißt Dressmaking as a trade for women in Massachusetts

 

by Allinson, May, 1880-

Dressmaking as a trade for women in Massachusetts : Allinson, May, 1880- : Free Download, Borrow, and Streaming : Internet Archive

 

und so um Seite 25 ff beschreibt die Autorin, dass sich die Bekleidungsindustrie ab 1890 rasant entwickelt hat, ein immer größerer Teil der Bekleidung fertig gekauft wird und wer sonst noch Bekleidung herstellt, angefangen von fast alles für den Eigenbedarf selbst gemacht (vor allem am Land) über Taglöhnerinnen, die eben tageweise für geringen Lohn und eine Mahlzeit ins Haus kamen und für die Familie nähten, kleine (oft Amateur-)Schneiderinnen, die in ihrer Wohnung für einen kleinen, überwiegend aus Verwandten und Freundinnen bestehenden Kundenkreis nähten (die Autorin gibt Witwen und Frauen, die das Gehalt des Mannes ergänzen wollen, als Betreiberinnen solcher Betriebe an), Schneiderinnen als Angestellte, gelernte Schneiderinnen und Schneider mit mittleren und größeren Salons und Angestellten bis hin zu Manufakturen und Industriebetrieben.

 

Schneiderei war damals in den USA einer der häufigsten Frauenberufe (neben Hausbediensteten und Landarbeiterinnen). Es gab also offenbar eine große Anzahl von Personen (überwiegend Frauen), die für einen geringen Lohn Kleidung für andere anfertigten. (Das ist heute ähnlich, nur gibt es heute keinen persönlichen Kontakt mehr zwischen Näherin und Konsument_in, da die Näherinnen in Asien leben und arbeiten und die fertige Kleidung im Container nach Europa und Nordamerika kommt.)

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Danke für die Buchtips ☺

 

Ich sehe, es gibt viel antiquarisches zu entdecken, ich glaube ich brauche doch mal ein Tablett.

 

LG Ulrike

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Danke, ju wien, für deine Zusammenfassung aus dem Buch. Das finde ich sehr interessant :)

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und so um Seite 25 ff beschreibt die Autorin, dass sich die Bekleidungsindustrie ab 1890 rasant entwickelt hat, ein immer größerer Teil der Bekleidung fertig gekauft wird und wer sonst noch Bekleidung herstellt, angefangen von fast alles für den Eigenbedarf selbst gemacht (vor allem am Land) über Taglöhnerinnen, die eben tageweise für geringen Lohn und eine Mahlzeit ins Haus kamen und für die Familie nähten, kleine (oft Amateur-)Schneiderinnen, die in ihrer Wohnung für einen kleinen, überwiegend aus Verwandten und Freundinnen bestehenden Kundenkreis nähten (die Autorin gibt Witwen und Frauen, die das Gehalt des Mannes ergänzen wollen, als Betreiberinnen solcher Betriebe an), Schneiderinnen als Angestellte, gelernte Schneiderinnen und Schneider mit mittleren und größeren Salons und Angestellten bis hin zu Manufakturen und Industriebetrieben.

 

Schneiderei war damals in den USA einer der häufigsten Frauenberufe (neben Hausbediensteten und Landarbeiterinnen). Es gab also offenbar eine große Anzahl von Personen (überwiegend Frauen), die für einen geringen Lohn Kleidung für andere anfertigten. (Das ist heute ähnlich, nur gibt es heute keinen persönlichen Kontakt mehr zwischen Näherin und Konsument_in, da die Näherinnen in Asien leben und arbeiten und die fertige Kleidung im Container nach Europa und Nordamerika kommt.)

 

Gerade stoße ich etwa zu dem Thema auf einen Beitrag von Constanze Derham in ihrem blog zur Konfektionsnäherei bzw. Modegroßhandel auf dem Hausvogteiplatz im Berlin der 2.Hälfte des 19.Jahrhunderts bis zu den 30er Jahren. Sehr interessant! Und wer hat die ganze Konfektion genäht damals: Näherinnen in Heimarbeit mit 12Stundentagen. Dadurch konnten sich viele Menschen erst diese Bekleidung leisten. Dazu gab es eine Ausstellung im Justizministerium, die jetzt weiter gezogen ist, s. lucy-in-the-sky (og Bloglink).

Edited by stoffmadame

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