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Kate K.

Herrenschneiderbuch

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Na, es ist auch so: Du bekommst viele Stoffe und Zutaten nicht mehr. Das ist wirklich nicht so einfach. Hemden und Unterwäsche sind einfache Übungen. Schwieriger werden Sakkos, Hosen und Mäntel. Das waren schwere Stoffe, die mit dem Bügeleisen (die auch schwer sein mußten) z.T. in Form gebracht wurden.

Schnitte für Jahrhundertwende-Kostüme Die Gewand-Sammlung

hier kannst Du mal schauen.

lg

heidi

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Hemden und Unterwäsche sind einfache Übungen. Schwieriger werden Sakkos, Hosen und Mäntel.

 

 

Ach ja, du bist gut :o :hug:

 

Im Prinzip geht es mir ja genau um Alltagskleidung oder Unterwäsche, aber du überschätzt da meine Fähigkeiten oder unterschätzt meinen Anspruch.

 

Man bräuchte ja nur jemanden, der es einem mal zeigt, mangels desjenigen suche ich nun nach brauchbaren Büchern. :rolleyes:

Ich will gern mal über das Stadium Kissen, Tischdecken und Gardinen hinwegkommen. (Auch wenn ich ganz zufrieden mit den Ergebnissen bin.)

 

Und nur Nähmaschinen zu kaufen und in Ordnung zu bringen ohne was Sinvolles damit zu machen, ist leider auch nicht so toll.

Denke, ich habe mich da genug "ausgetobt".

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Rein vom material hat Stofftante aber recht.

Baumwoll- und Leinengewebe in zumindest vergleichbarer Qualität bekommt man auch heut noch einigermaßen einfach und zuverlässig.

 

Bei den Woll- (und seltener Baumwoll- und Leinen-) Qualitäten für Hose, Weste, Jackett... sieht das ganz anders aus.

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The Victorian Tailor von Jason Maclochlainn könnte hilfreich sein. Geschrieben von einem hochkompetenten Amateur.

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Danke für den Tip, mir ging es aber eher um die anfang 1920er Jahre.

Also um das was vor 100 Jahren genäht wurde und wie es genäht wurde (mit Augenmerk auf die Hausschneiderei).

 

 

Ich weiß, wenn man älter ist (ohne dich zu meinen :o) glaubt man garnicht, dass diese Jahre schon bald 100 Jährchen her sind. Als ich zur Welt kam, lag 1920 gerade mal 50 Jahre zurück und nun bin ich bald selbst so alt.

(Victorianische Kleidermode mag ich nicht so, denn schon eher Biedermeier, so in Richtung Jane Austen - aber jetzt spinne ich mal)

 

Ich finde es ganz lieb, wie ihr euch mit mir Gedanken macht.

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Vielleicht findest du einen Schneider in der Nähe? Oder auch einen Änderungsschneider, der Lust hat, etwas aus dem Nähkästchen zu plaudern bzw. der vielleicht sowas noch kann und auch zB einen Kurs gibt? Aber das hast du sicher schon überlegt/probiert.

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Hier wird gerade schneller geschrieben, als ich mitlesen kann. Also bitte um Entschuldigung, wenn ich etwas übersehen habe.

 

Von Ines Ruebel habe ich das Buch "Wir nähen und schneidern" (in der Taschenbuchausgabe von Knaur, 1981, dürfte in einer anderen Ausgabe schon 1978 erschienen sein). Da werden zwar diverse Verarbeitungsmethoden geschildert, die heute nicht mehr so üblich sind (zB Näheinlagen und Futter händisch einstaffieren), aber speziell über Herrenbekleidung ist nichts enthalten. Pikieren wird erwähnt und auf zwei Fotos gezeigt, aber nicht genauer drauf eingegangen.

 

Das Problem mit der Fachliteratur dürfte sein, dass die Handgriffe sich schwer beschreiben lassen. Die lernt(e) man vom Zuschauen, sei es in der Lehre, sei es daheim bei der Mutter oder Großmutter. Und in den Berufsschulen hat man mitgeschrieben, Bücher gab es da früher recht wenige.

 

Im Katalog der Österreichischen Nationalbibliothek findet sich unter dem Stichwort "Herrenschneider*" aber eine ganze Menge. Leider ist das eine Präsenzbibliothek, Fernleihe ist nur sehr eingeschränkt möglich. Aber eine sinnvolle Beschäftigung, wenn du einmal in Wien bist und es tagelang regnet :)

 

Ganz alte Bücher (aktuell: bis 1878) gibt es auch als Digitalisate online, zb Hermann König, Vollständiges Lehrbuch der Zuschneidekunst für Herrenkleidermacher, http://data.onb.ac.at/rec/AC10024074

 

Zeitschriften wurden schon bis 1948 digitalisiert. Da finden sich auch etliche Fachzeitschriften und natürlich Modehefte und Illustrierte, in denen über Damen- und Herrenmode berichtet wird ANNO - AustriaN Newspapers Online

 

Bei jüngeren Büchern (vor dem 2. Weltkrieg) zahlt es sich manchmal aus, nachzufragen, ob man ein Digitalisat anfertigen lassen kann. Dann schauen sie nach, ob sie das Sterbejahr des Autors wissen und ob das Werk schon frei ist. Manche Uni-Bibliotheken (zB Innsbruck) fertigen solche Digitalisate zu durchaus menschlichen Preisen an.

 

Und ganz neu: Auf der Website von Müller München werden neuerdings Ausschnitte aus Rundschau-Artikeln veröffentlicht und zwar nicht nur als "Teaser", sondern in einem Umfang, mit dem man was anfangen kann (sowohl Schnittherstellung als auch Verarbeitung). Grundwissen (und Kenntnis des Systems Müller München) wird dort natürlich vorausgesetzt.

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Hemden waren eigentlich schon nicht mehr die gängige Hausschneiderei. Zumal man ja erst mal einen Schnitt brauchte.

 

Ich habe z.B. ein "Wiener Nähbuch" was so von Anfang der 1930er Jahre war, da werden vor allem Weißnäherei beschrieben, Kleinkind- und Babysachen und dann eher Stopfen und Reparieren oder eine Kinderhose am Hosenboden verstärken. :D

 

Als meine Großmutter ein Kind war, kam so zwei Mal im Jahr eine gelernte Schneiderin in den Haushalt (das war in der Gegend damals nicht so unüblich) und hat dann ihre Mutter beim Nähen unterstützt. Die konnte dann auch Herrenhemden, Hosen,.... Mein Urgroßmutter hat dann wohl einen Teil der eigentlichen Näharbeit gemacht, aber das eigentliche Know How hatte die Schneiderin..Und sonst hat man eher Sachen wie Unterröcke, Schürzen,... genäht. (Der Haushalt hatte eine Nähmaschine, erst mir Kurbel, später eine modernere zum Treten.)

 

Meine Großmutter (vor etwas mehr als 100 Jahren geboren) war dann nach der Schule noch bei einer Schneiderin in der "Nähschule". (Das war so ein Nachmittag pro Woche.) Da hat sich dann auch gelernt, wie man Herrenhemden näht und nach der Schulterpasse (das war das einzige Schnittteil und das bekam man sozusagen mit dem Kurs) den Rest des Hemdes ausrechnet und zeichnet. Da sie viele Brüder hatte, hat sich das rentiert. Sie hat dann auch immer mal für andere für Geld genäht. (Was wohl der örtlichen Schneiderin nicht so gut gefallen hat, weil die Hemden meiner Oma besser gepasst haben...) Das war aber schon Nähwissen, was weit über das "normale" Haushaltswissen hinausging.

 

Auch einen Mantel hat sie in der Nähstunde genäht und da das Wissen mitgenommen über Einlagen, dass sie später auch für ihren Mann Sakkos nähen konnte. Aber auch das... war weit jenseits des "normalen" Hausschneiderns.

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Danke für den Tip, mir ging es aber eher um die anfang 1920er Jahre.

Also um das was vor 100 Jahren genäht wurde und wie es genäht wurde (mit Augenmerk auf die Hausschneiderei).

 

In der Hausschneiderei wurden für Herren Hemden, Nachthemden und Unterwäsche genäht und vielleicht einmal ein Schlafrock oder ein gefütterter Schal. Hosen, Sakkos, Mäntel waren ein Fall für den Maßschneider.

 

Schau dir einmal Antonie Steimann "Die tüchtige Hausfrau" an (1913) Die tüchtige Hausfrau; ein praktisches Nachschlagebuch .. : Steimann, Antonie, ed : Free Download, Borrow, and Streaming : Internet Archive

 

Im Kapitel "Wäsche" finden sich Anleitungen für Herrenhemden, Herrennachthemden, Arbeitsschürzen und Arbeitsmäntel.

 

Außerdem gibt es etwas weiter vorne in dem Buch im Kapitel "Kinderkleidung" ein paar Modelle für Knaben, die ähnlich wie Herrenmodelle verarbeitet sind (Weste, Sakko, Mantel).

 

Da ich das Buch im Regal stehen habe (beide Bände), könnte ich dir Schnitte abpausen. Nähen musst du dann aber selbst :)

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Danke für den Tip, mir ging es aber eher um die anfang 1920er Jahre.

Also um das was vor 100 Jahren genäht wurde und wie es genäht wurde (mit Augenmerk auf die Hausschneiderei).

 

 

Ich weiß, wenn man älter ist (ohne dich zu meinen :o) glaubt man garnicht, dass diese Jahre schon bald 100 Jährchen her sind. Als ich zur Welt kam, lag 1920 gerade mal 50 Jahre zurück und nun bin ich bald selbst so alt.

 

Um diesmal genauer auf den Zeitraum einzugehen: In den 1920er Jahren sah die Herrenkleidung schon ähnlich aus wie auch nach dem 2. Weltkrieg und bis in die 1970er Jahre. Hemden hatten großteils fix angenähte Kragen ("Vatermörder "wurden nur mehr von sehr konservativen Herren oder zu besonderen Anlässen getragen), Hosen wurden öfter mit Hosenträgern als mit Gürtel getragen, sahen sonst aber ähnlich aus wie heute, bei Sakkos und Mänteln war das Revers modebedingt einmal schmäler und einmal breiter, aber an der Technik hat sich dadurch nichts geändert. Trikotunterwäsche gab es damals auch schon, die selbstgenähten Baumwollunterhosen landeten langsam in Truhen auf dem Dachboden oder wurden umgearbeitet.

 

Die großen Änderungen in der Herrenmode und -schneiderei kamen im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts einerseits durch die immer besseren Bügeleinlagen und Stoffe mit Elastan, die eine andere Verarbeitung erfordern und andere Passform ermöglichen und andererseits dadurch, dass im Alltag immer mehr "Freizeitkleidung" und Sportswear getragen werden (angefangen von den Jeans und Blousons schon in den 1950er Jahren eben heute).

 

Insofern ist es relativ egal, ob du Nähbücher von 1920, 1950 oder 1970 zu Rate ziehst. In allen wirst du in etwa die gleichen Verarbeitungsmethoden finden. Erst nach den 1970er Jahren finden sich dann Bügeleinlagen, Jersey, Sweat, elastische Webstoffe, Overlocknähte usw.

 

(Ich muss dann weg, sonst komme ich zu spät zum Nähstammtisch. Aber ich werde am Abend noch einmal da reinschauen.)

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Da habe ich ja erstmal viel Lesestoff zum Durcharbeiten.

 

Als meine Großmutter ein Kind war, kam so zwei Mal im Jahr eine gelernte Schneiderin in den Haushalt (das war in der Gegend damals nicht so unüblich) und hat dann ihre Mutter beim Nähen unterstützt. Die konnte dann auch Herrenhemden, Hosen,.... Mein Urgroßmutter hat dann wohl einen Teil der eigentlichen Näharbeit gemacht, aber das eigentliche Know How hatte die Schneiderin..Und sonst hat man eher Sachen wie Unterröcke, Schürzen,... genäht. (Der Haushalt hatte eine Nähmaschine, erst mir Kurbel, später eine modernere zum Treten.)

 

Ich habe mich schon immer gefragt, wie das im Alltag damals aussah, zu Zeiten, als es in dem Umfang noch keine konfektionierte Kleidung gab, und man sich vielleicht für die normale Alltagsgarderobe oder Unterwäsche nicht unbedingt einen Maßschneider leisten konnte oder wollte.

War das üblich, dass es da "fahrende" SchneiderInnen gab, die man sich dann aber sicher auch leisten können musste?

Wo hat der einfache Arbeiter seine Arbeitskleidung oder Leibwäsche herbekommen?

 

In den 1920er Jahren sah die Herrenkleidung schon ähnlich aus wie auch nach dem 2. Weltkrieg und bis in die 1970er Jahre. Hemden hatten großteils fix angenähte Kragen ("Vatermörder "wurden nur mehr von sehr konservativen Herren oder zu besonderen Anlässen getragen), Hosen wurden öfter mit Hosenträgern als mit Gürtel getragen, sahen sonst aber ähnlich aus wie heute, bei Sakkos und Mänteln war das Revers modebedingt einmal schmäler und einmal breiter, aber an der Technik hat sich dadurch nichts geändert. Trikotunterwäsche gab es damals auch schon, die selbstgenähten Baumwollunterhosen landeten langsam in Truhen auf dem Dachboden oder wurden umgearbeitet.

 

Die Hosen sahen irgend wie weiter aus und die Weste mehr auf Taille geschnitten (wenn ich das richtig sehe). Sah jedenfalls einfach fescher aus.

Wenn du einen Schnitt für eine solche Unterhose hast (vorn sah die wohl aus, wie eine Boxershort, aber hinten war ein Verschluss oder so), die würde ich mal versuchen zu nähen.

(Fotos sind selbst abfotografiert aus einem Film)

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Guten Morgen :)

 

...Wenn du einen Schnitt für eine solche Unterhose hast (vorn sah die wohl aus, wie eine Boxershort, aber hinten war ein Verschluss oder so), die würde ich mal versuchen zu nähen....

 

Der erste Begriff der mir durch den Kopf schoß - Schnellfeuerhose (den hab ich von meiner Oma) und ich hab tatsächlich eine Beschreibung dafür gefunden

 

Schnitt kann ich leider keinen bieten :o

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Moin,

 

meine Mutter (*1928) erzählte ab und zu von ihrer Großmutter, die sich beim Gang durch die Stadt im Fall des Falles einfach über den Gulli stellte ... die trug auch Unterhosen in der Art.

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Ich hab hier noch einen Nachdruck von "Beyers großes Lehrbuch der Wäsche" liegen, die Vorlage für meines war die Ausgabe von 1927.

 

Aktuell sind die Nachdrucke auch nur Antiquarisch zu bekommen.

Da geht es um die Herstellung der Leibwäsche für die ganze Familie.

Von den ganz kleinen über Mädchen und Damen bis Knaben und Herren.

Das sind Schnittmusterbögen dabei, wie aber damals üblich gibt es jedes Modell nur in ein oder zwei Größen.

 

Ich schaue gerne nachher nochmal weiviel für Knaben und Herren drin ist.

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Moin,

 

meine Mutter (*1928) erzählte ab und zu von ihrer Großmutter, die sich beim Gang durch die Stadt im Fall des Falles einfach über den Gulli stellte ... die trug auch Unterhosen in der Art.

 

 

Das klingt ja wie aus dem finsteren Mittelalter :p

So ganz "offen" waren die* aber glaub ich nicht.

 

 

Ich schaue gerne nachher nochmal wieviel für Knaben und Herren drin ist.

 

Gern, bin gespannt... :)

Edited by MiW
*ich meine die Hosen, nicht die Träger

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Ich habe mich schon immer gefragt, wie das im Alltag damals aussah, zu Zeiten, als es in dem Umfang noch keine konfektionierte Kleidung gab, und man sich vielleicht für die normale Alltagsgarderobe oder Unterwäsche nicht unbedingt einen Maßschneider leisten konnte oder wollte.

War das üblich, dass es da "fahrende" SchneiderInnen gab, die man sich dann aber sicher auch leisten können musste?

Wo hat der einfache Arbeiter seine Arbeitskleidung oder Leibwäsche herbekommen?

 

Ich habe von meiner Mutter (Jahrgang 1921) ahnliches gehört, wie Marion. Als sie ein Kind war, kam 1-2 mal im Jahr eine Schneiderin ins Haus und hat alles genäht und umgeändert (3 Kinder, die ja alle gewachsen sind), was so angefallen ist. Ob die eine Nähmaschine dabei hatte oder die Sachen mitnahm und in ihrer Werkstatt nähte oder ob meine Großmutter eine Maschine hatte oder ob überhaupt das meiste mit der Hand genäht wurde, weiß ich leider nicht. (Später, als ich schon auf der Welt war, hatte meine Großmutter keine Nähmaschine und hat auch nie davon erzählt. Meine Großtante hatte ebenfalls keine Nähmaschine.)

 

Meine Großmutter ließ ihre Kleidung auch später noch (meine Kinderzeit, also 1960er Jahre) von einer Schneiderin machen, zumindest die "schönen" Sachen. Kittelschürzen, einfache Blusen, Twinsets und so wurden fertig gekauft, Unterwäsche wurde ebenfalls gekauft. Allerdings hat sie sich auch nicht jedes Jahr was neues nähen lassen, sondern in größeren Abständen. Dadurch war der finanzielle Aufwand im Rahmen. (Außerdem war meine Großmutter berufstätig, Bürgerschullehrerin und später -direktorin, hatte also eigenes Einkommen und später eigene Pension + Witwenpension.)

 

Am Land haben reisende Schneider früher oft für Kost und Quartier gearbeitet (wie andere Handwerker auch).

 

Bei Hausbediensteten, Landarbeitern und in vielen anderen Bereichen war es Sache des Dienstgebers, Kleidung und Wäsche für die Bediensteten zu beschaffen.

 

Wie das bei Fabriksarbeitern war, würde mich auch interessieren. Die wurden weder vom Arbeitgeber mit Kleidung versorgt, noch hatten sie die finanziellen Mittel, alles anfertigen zu lassen. Ich schätze, dass die schon früh Konfektion trugen und dass es im übrigen einen 2nd-Hand-Markt gab. Noch nach der Mitte des 20. Jahrhunderts, als die typischen Hausschneiderinnen nicht mehr existierten und die wenigen verbliebenen Schneidersalons nur für die oberen Zehntausend erschwinglich waren, stand in Nähzeitschriften und Nähbüchern ja oft, wie glücklich doch die selbst schneidernden Hausfrauen sind, weil sie nicht auf die "minderwärtige" Kleidung "von der Stange" angewiesen sind. Fertigkleidung wurde also mit Leuten assoziiert, die sich weder Maßgeschneidertes leisten konnten noch über die Fertigkeiten und Mittel zum Selbstschneidern verfügten.

Die Hosen sahen irgend wie weiter aus und die Weste mehr auf Taille geschnitten (wenn ich das richtig sehe). Sah jedenfalls einfach fescher aus.

Wenn du einen Schnitt für eine solche Unterhose hast (vorn sah die wohl aus, wie eine Boxershort, aber hinten war ein Verschluss oder so), die würde ich mal versuchen zu nähen.

(Fotos sind selbst abfotografiert aus einem Film)

 

Die Unterhosen in Steimann sind länger, aber ich werde mal schauen, wie das mit dem Abpausen klappt und ob vielleicht bei den Jungen-Modellen auch was zu finden ist. (Der Nähstammtisch hat gestern viel länger gedauert, als ich vorhergesehen hatte. Entsprechend bin ich heute früh ins Gedränge gekommen, um noch rechtzeitig im Nähkurs zu landen. Und jetzt muss ich noch einkaufen gehen, aber dann mache ich mich daran.)

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So, da bin ich mit den Bildern.

 

So sieht meine Version aus

PICT1925.JPG.8fedc5a31c5f17d912e1f2bc335045ce.JPG

 

darin gibt es dann eine Einführung, danach folgen Nähtechniken, für Rüschen

für Schlitze usw.

PICT1926.JPG.72b0a672a5dc8c738f4b231e7a9a816b.JPG

 

Danach kommt Frauenwäsche in Variationen alles für untendrunter

und Schürzen usw.

Kinderbettchen, Säuglinge, Mädchen in verschiedenen Alterstufen

 

und dann kommen wir zu

"Wäsche für Herren und für Jünglinge"

PICT1927.JPG.f2c2ca5f35cd362d34b0dcad11a92196.JPG

 

Berufswäsche - mit Kochmütze :D

PICT1928.JPG.079af76cab4c1f967d529d2e6a3049ff.JPG

 

weiteren Teilen

PICT1930.JPG.6b29eccfa8ccddae2d4f0b9b2a56a7ed.JPG

 

Herrenwäsche

PICT1929.jpg.201a7e0412128585e64a1ea5a21f700f.jpg

 

Das ist ein Ausschnitt aus dem Schnittmusterbogen IV

Die Teile zu einem Schnitt sind immer seitlich am Bogen angegeben

"Langes Unterbeinkleid aus Trikotstoff"

PICT1931.JPG.3c177b020260fc1716ec11abbd27a8d4.JPG

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1. @akinom017: Ihr sollt mir hier keine Bücher vorführen!! :) :) Schon gar keine, von denen Google sofort ein paar Treffer bei Antiquariaten findet. Mein Nähbuchregal platzt eh schon aus allen Nähten.

 

2. @MiW; Die Hose bei Steimann hat einen ähnlichen Verschluss in der hinteren Mitte wie auf deinem Foto. Damit kann man offenbar die Weite regulieren (zwei Knöpfe). Ähnliche Lösungen kenne ich auch von Herrenhosen älterer Bauart. Manchmal war bei den Hosen auch ein Band (oder Gummiband) in einem Tunnel eingezogen, mit dem man es in der hinteren Mitte auf Figur bringen konnte. Gehalten wurden die Hosen damals ja von den Hosenträgern, sie mussten in der Taille also nicht so fest sitzen.

 

Das Rauszeichnen war gar nicht so wild, der Schnittbogen funktioniert wie heutige Schnittbogen auch. Ein paar Details werden in der Anleitung allerdings unterschlagen. Im Bund sind so schmale lange Rechtecke eingezeichnet, die man auch in der Abbildung auf S. 377 deutlich sieht. Keinerlei Hinweis darauf, was das sein soll. (*) Der Schnitt gilt für 2 Hosen: die längere mit dem Verschluss in der hinteren Mitte und die kürzere daneben mit dem Verschluss an der Seite.

Auf S. 377 sieht man, dass der Hosenschlitz einen Besatz hat, der doppelt abgesteppt ist. Kommt weder am Schnittbogen noch in der Anleitung vor.

 

OT: Die kürzere, gestreifte Hose wird lt. Beschreibung auch "für Sportzwecke" getragen. Heute könnte es passieren, dass jemand die Polizei ruft, wenn ein Mann mit offenem Hosenschlitz Sport betreibt.

 

Nochmals OT:

meine Mutter (*1928) erzählte ab und zu von ihrer Großmutter, die sich beim Gang durch die Stadt im Fall des Falles einfach über den Gulli stellte ... die trug auch Unterhosen in der Art.

 

Habe ich auch erzählt bekommen. In meinem Fall war es eine Großmutter (meine Urgroßmutter?) aus der Südsteiermark. Und damals trugen Frauen unter den langen Röcken vielfach noch gar keine Unterhosen, sondern Unterröcke.

 

Durch Knöpfe verschließbare und später ganz geschlossene Unterbeinkleider für Damen kamen erst auf, als die Damen begannen, Rad zu fahren und diverse Sportarten zu betreiben, bei denen die Röcke in Bewegung gerieten.

 

@MiW: Schreib mir dann bitte eine PN mit deiner Postadresse.

 

//Update zu (*): Laut der Beschreibung auf dem untersten Foto von akinom017 sind das "Bandspangen", die man dort aufnähen soll. Ich weiß zwar noch immer nicht, was das ist, habe aber jetzt zumindest ein Stichwort zum Suchen.

Edited by ju_wien
update

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1. @akinom017: Ihr sollt mir hier keine Bücher vorführen!! :) :) Schon gar keine, von denen Google sofort ein paar Treffer bei Antiquariaten findet. Mein Nähbuchregal platzt eh schon aus allen Nähten.

Das Buch ist aber wirklich nicht dick, max 1,5 cm, das passt noch dazu.

 

Ich wurde ja auch verführt und hab mir "Anfertigung von Waesche und Oberbekleidung von Behrendsen, Gertrud" bestellt ;)

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Die offenen Unterhosen sind von meiner Ur- oder Ururgroßmutter auch überliefert, hießen in "Stehsacher". Passenderweise.

 

Schnitte für Herrnkleidung in dem Stil habe ich auch schon im Blog Male Pattern Boldness gesehen. Da es in den USA mit Butterick da schon lange Fertigschnitte gab, tauchen wohl solche auch immer mal antiquarisch auf.

 

Als Konfektion aufkam, war das übrigens erst mal teurer als der Dorfschneider... (Meine Oma und ihre Schwester hatten als Kinder Mäntel, die ihr Vater aus Berlin mitgebracht hatte. Das war damals eine völlige Neuheit, Mädchen auf dem Land haben sich sonst im Winter in dicke Tücher gewickelt. Und der Dorfschneider hätte gar nicht gewusst, wie er so was schneidern sollte.)

 

Ansonsten hatte man oft eben nur eine Hose, ein Kleid,...

 

Aber gebrauchte Kleidung war für die ganz Armen auf alle Fälle ein Thema. Auch im 19. Jahrhundert schon. Wenn ich mich recht erinnere, gab es da im Film "Les enfants du paradis" auch eine Szene mit einem Händler für Gebrauchtkleidung.

 

Und geliehene Kleidung tagweise (beschrieben etwa in Eugène Sue, Les mystères de Paris.)

 

Das sind jetzt französische Beispiele, aber ich vermute, dass die Situation in Deutschland nicht grundlegend anders war.

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... Schnellfeuerhose... "Stehsacher"
meint wohl das Gleiche :)

 

das mit den Kanaldeckeln hatte ich auch schon irgendwo gehört? gelesen?

 

Meine beiden Omas haben genäht, meine Mama auch (woher ich das Hobby wohl hab? :p).......... aber als Kinder wurden Schwesterlein und ich auch für besondere Kleider oder Wintermäntel zu einer Schneiderin verschleppt, die das noch in den 60ern von zu Hause aus machte

 

Was ich weiß, waren früher auch Händler mit Hundewagen/-schlitten mit (Alt)Kleidung/-waren unterwegs ......... ich hatte selbst mal so einen Hundeschlitten als Deko mit Blumentöpfen bewaffnet in meinem früheren Leben im Garten stehn - daher meine Kentnisse drüber, weil ich wissen wollte, wofür ein Schlitten (der zu groß war für Kinder und Erwachsene als Spiel- und Sportgerät, als Zuggerät für Ponys oder Pferde aber viel zu klein war) gebraucht wurde... fliegender Flohmarkt quasi :D

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@MiW: Zufallsfund auf willhaben: https://cache.willhaben.at/mmo/6/287/960/956_-1121457792.jpg

 

Der Anbieter beschreibt die Hosen so:

 

Alte Weißnäherei - ca. 90 bis 100 Jahre alt

 

Weißnäherei war das Anfertigung von Haushalts-, Leibwäsche u.a.

 

schon sehr alt (90 bis 100 Jahre)

einwandfrei ! Wie neu

4 x kurze Hosen - Preis pro Hose € 20,-

2 x lange Hosen - Preis pro Hose € 35,-

Dass er Damen- und Herrenunterhosen bunt gemischt hat, düfte ihm nicht klar sein. Und noch ein Zufallsfund: auf einem der Fotos ist ein Etikett erkennbar: https://cache.willhaben.at/mmo/6/287/960/956_212916108.jpg - also hat seine Uroma die Sachen wohl nicht selbst genäht, sondern gekauft.

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Wir waren heute zum Geburtstag und jetzt sehe ich gerade, dass sich viel zum Nachlesen hier getan hat. Da will ich wenigstens mal kurz antworten.

(Obwohl mir der Nachmittag dort eigentlich schon wieder zuviel war. :ohnmacht:)

 

Spannend, was ihr alle schreibt!

 

@ju_wien: Vielen Dank für die ganzen Links, da kann ich aber lesen :)

PN habe ich geschickt.

Die Hosen aus dem Verkauf sind ja in sehr gutem Zustand.

Die "linkste" Hose gefällt mir, dass müsste doch Hinzukriegen sein, sowas zu nähen, oder?

Und sie stammt von einem Schneider. Josef Dusek, Wien.

 

So, da bin ich mit den Bildern.

 

Ich habe heute vormittag bei rebuy kurzerhand das Buch bestellt, weil es so günstig war (3,39 €, da konnte ich nicht warten). Hoffentlich sind auch die Schnittmuster dabei. Zumindest Zustand war als sehr gut gekennzeichnet.

 

ISBN: 9783887460990

 

Ich hoffe, es ist dasselbe, es sieht außen etwas anders aus:

Beyers.jpg.12bd9c9ad7508208f2e09afce32b84f1.jpg

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Die "linkste" Hose gefällt mir, dass müsste doch Hinzukriegen sein, sowas zu nähen, oder?

Und sie stammt von einem Schneider. Josef Dusek, Wien.

 

Denke ich schon. Sie ist moderner geschnitten als die bei Steimann. Ich würde am ehesten einen modernen Boxershort-Schnitt nehmen und den Gummibund durch den genähten Bund (wie bei Steimann und in dem Beyer Buch) ersetzen.

 

Die grüne Verzierung würde ich gerne aus der Nähe sehen - könnte eine Stickerei oder ein aufgenähtes schmales Band sein. Bei der anderen Hose ist es wahrscheinlich eine Paspel.

 

//PS: Noch was: Weiter oben habe ich gemeckert, dass auf der Modellzeichnung der beiden Unterhosen ein Schlitzbesatz erkennbar ist, der weder am Schnittbogen noch in der Beschreibung vorkommt. Im Schnittauflageplan auf Seite 372 ist er abgebildet. Das gehört also wohl zu den Sachen, die die Autorin als bekannt vorausgesetzt hat. (Ganz früher musste man auch bei Burda-Schnitten die Besätze - zB für Hals- und Armausschnitte - selbst zeichnen.)

Edited by ju_wien

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