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nekochan

Pfaff 362 - zahlt sich Reparatur aus?!?

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Liebe Alle,

ich stecke in einem Dilemma und würde mich über Rat von Fachleuten freuen. Die Geschichte ist etwas länger, ich versuche mich kurz zu halten.

 

Mein Fuhrpark ist klein und besteht aus einer Pfaff 138, mit der ich grundsätzlich sehr glücklich bin, und einer Babylock. Seit ich aber Kinder habe, komm ich quasi nicht mehr zum Nähen. Die Maschinen stehen aus Platznot im Schlafzimmer, und wenn Zeit wäre, schlafen die Kinder. Tja. Darum liebäugle ich schon länger mit einer transportablen Maschine, die ich abends schnell ins Wohnzimmer stellen kann. Noch dazu fällt bei Kleinkindern eher Jerseyzeug an, und hier machen mich die Geradstich- und Zickzack-Möglichkeiten der Pfaff nur mittelmäßig glücklich.

 

Nun hat mir der Zufall eine Pfaff 362 hereingeschneit. Ich freu mich wie ein junger Hund (ohhhh....so viel Zierstiche!!!), steck sie ein - bumm wird es schwarz im Haus. Darum hab ich sie zu einem alteingesessenen Mechanikerbetrieb gebracht und nach fast drei Monaten des Wartens und Nachtelefonierens bekam ich die Diagnose: Elektronik zum Nähfuß heben ist kaputt, daher Kurzschluss, muss ausgebaut werden; Zickzack-Mechanik ist (O-Ton) "völlig zermanscht"; Kosten der Reparatur insgesamt mindestens 250-280 Euro ohne Garantie auf Erfolg. Jetzt hab ich zwei Tage mit mir gerungen und mich gegen die Reparatur entschieden, rufe an, um einen Abholtermin zu vereinbaren, da erklärt mir der erboste Chef: Ja natürlich geht sie, wenn wir sie reparieren!! Seine Frau (oder wer auch immer) hat mir zwei Tage zuvor das Gegenteil erzählt, also was jetzt?! Ich hab mir noch allerlei andere Sachen anhören müssen, die nicht der Erwähnung wert sind - es war jedenfalls ausreichend, um den Entschluss zu fassen, das Geschäft nie wieder zu betreten.

 

Parallel zu dieser Episode hab ich mich auf die Suche nach einer mechanischen Haushaltsmaschine gemacht, die meine Schwester (Nähanfängerin) als Geschenk bekommen soll. Da bin ich jetzt bei Janome gelandet und hab mich so in die HD 2200 verschaut, dass ich ernsthaft erwogen habe, mir auch eine zu kaufen. Denn die hat eine Knopflochautomatik, supercoole elastische Stiche, Jeansstoff näht sie wie Butter und sie schnurrt wie ein fetter Hauskater. Das wäre die perfekte Ergänzung zur 138er. Ich wär auch mit einer kleineren zufrieden, müsste aber nochmal durchprobieren. Die 423 passt vermutlich auch und ist ein Stück billiger.

Das Absurde daran ist, dass ich zum Janome-Händler nicht mehr gehen wollte, denn der hat sowohl mich als auch meine Freundin vor 20 Jahren ziemlich übers Ohr gehauen (eine längere Nebenhandlung...). Jetzt ist aber der Junior Chef, und er hat mich am Telefon und im Geschäft super und sehr ausführlich beraten. Dem würde ich schon etwas abkaufen. Im Geschäft anschauen und dann im Internet bestellen mach ich sowieso aus Prinzip nicht.

 

Nur was jetzt tun?! Eine neue, transportable mit elastischen Stichen ist für mich praktisch schon fix,  denn dann hab ich im Grunde alles, was ich brauche. Aber was mach ich mit der 362er? Selbst herrichten trau ich mir absolut nicht zu, aber wenn sie wirklich wieder laufen würde, dann wäre sie schon ein Schatz. Und es wär schade, wenn sie nur so herumstehen würde. Leider kenn ich niemanden, der das kann. :-( Ich könnte noch in der Pfaff-Werkstatt anfragen, was so eine Reparatur kostet. Nur zahl ich für das oben beschriebene Wissen schon 35 Euro, mehr mag ich da umsonst wirklich nicht mehr reinstecken. Und wenn ich mir eine Janome zulegen, würde sich im Grunde genommen die 362er erübrigen (im Ernst, wieviele Zierstiche braucht man im Leben? Das kann ich auch mit der Hand sticken). Nur ist sie halt so eine Liebhabermaschine.....ich bin echt ratlos!!!

 

Was würdet ihr machen? Freu mich auf Kommentare!

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vor 5 Stunden schrieb nekochan:

die Diagnose: Elektronik zum Nähfuß heben ist kaputt, daher Kurzschluss, muss ausgebaut werden; Zickzack-Mechanik ist (O-Ton) "völlig zermanscht"; Kosten der Reparatur insgesamt mindestens 250-280 Euro ohne Garantie auf Erfolg.

Elektronik hat die 362 nicht, du  meinst die Stopmatic, die den Nähfuß anhebt, wenn man den Nähfußlüfterhebel nach oben drückt. Zu dieser gehört ein Entstörkondensator (bzw. eine Kombi aus mehreren Kondensatoren-> Entstörfilter), der kaputt geht und den Kurzschluss auslöst. Der Kondensator kostet für sich schon ca. 40,- Euro bei ebay.

Die Zickzackmechanik ist bei diesen Modellen häufig verharzt und muss wieder gängig gemacht werden, dazu zerlegt der Profi die Mechanik, reinigt sie, baut alles wieder zusammen und justiert sie dann. Die Verharzung der Zickzackmechanik bekommt man mit viel Geduld oft auch ohne Zerlegearbeiten wieder hin, das dauert dann aber viele Tage bis Wochen. Ob da noch etwas "zermanscht" ist, was justiert werden müsste, kann ich aus der Ferne natürlich nicht beurteilen.

Die o.g. Beträge sind für diese Arbeiten nicht zu hoch, wenn der Mann weiß, was er tut und tut, was er soll.

 

Notfalls die 362 weiterverkaufen an einen Bastler, der den Kondensator dann selber tauscht oder schauen, ob es im Bekanntenkreis einen Hobbyelektriker gibt, der dir noch einen Gefallen schuldet.

 

Die Janome HD 2200 wird anscheinend in D nicht angeboten. Wenn sie dir gefällt und tut was sie soll, why not.

Mit der 138 hast du ja noch ein echtes Arbeitstier für die Zeiten, wenn die Kinder dann größer geworden sind.

 

Gruß

Detlef

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@nekochan Ob ich die 362 reparieren lassen würde? Ich habe noch die 262 , im Schränkchen, stehen, die ich von meiner Tante vor 26 Jahren übernommen habe. Ich habe mir vor 20 Jahren dann eine gute Koffermaschine von Husqvana Viking gekauft.

 

Als dann meine Tochter geboren wurde, vor 16 Jahren, war ich auch frustriert, dass ich kaum zum nähen kam. Das wurde aber bald wieder besser. (Abends genäht, teilweise abends was vorbereitet und tagsüber neben Kinderaufsicht genäht.) So ab zwei Jahre ging es aufwärts.

 

Ich würde mir an deiner Stelle eine solide moderne Maschine kaufen und die 362 aufheben. Vielleicht findet sich später eine Gelegenheit, sie zu reparieren.

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@nekochan Schau, ob Du ein Repaircafé in der Nähe hast und da ein erfahrener  Nähmaschinist werkelt. Ein FabLab oder Hackerspace wäre noch besser, da die sich die Räume meist nicht teilen müssen, die Maschine also da bleiben kann. Besagter Mensch sollte die Problematik der alten Pfaffen kennen oder sich hingebungsvoll einarbeiten mögen... :classic_happy:

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Du willst die Janome ja nicht nur wegen der Zierstiche; auch die anderen Sachen (Knopflöcher, kommt besser mit Jersey zurecht etc.) sind doch sehr valide Argumente dafür, sich mal was Gutes, Neues zu gönnen :)

 

Ob du die 362 dann behältst und irgendwann (...) mal machen lässt, oder sie an einen Sammler-Schrauber weitergibst, kannst du dann ja immer noch entscheiden, wenn du mit der Janome wirklich zufrieden bist.

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vor 11 Stunden schrieb nekochan:

Nun hat mir der Zufall eine Pfaff 362 hereingeschneit. Ich freu mich wie ein junger Hund (ohhhh....so viel Zierstiche!!!), steck sie ein - bumm wird es schwarz im Haus. Darum hab ich sie zu einem alteingesessenen Mechanikerbetrieb gebracht und nach fast drei Monaten des Wartens und Nachtelefonierens bekam ich die Diagnose: Elektronik zum Nähfuß heben ist kaputt, daher Kurzschluss, muss ausgebaut werden; Zickzack-Mechanik ist (O-Ton) "völlig zermanscht"; Kosten der Reparatur insgesamt mindestens 250-280 Euro ohne Garantie auf Erfolg. Jetzt hab ich zwei Tage mit mir gerungen und mich gegen die Reparatur entschieden, rufe an, um einen Abholtermin zu vereinbaren, da erklärt mir der erboste Chef: Ja natürlich geht sie, wenn wir sie reparieren!! Seine Frau (oder wer auch immer) hat mir zwei Tage zuvor das Gegenteil erzählt, also was jetzt?! Ich hab mir noch allerlei andere Sachen anhören müssen, die nicht der Erwähnung wert sind - es war jedenfalls ausreichend, um den Entschluss zu fassen, das Geschäft nie wieder zu betreten.

 

Moin,

 

meine bescheidenen Erfahrungen mit Nähmaschinengeschäften sind, dass sie so alte Maschinen nicht gern anfassen und dass sie davon ausgehen, dass der Kunde die Technik ohnehin nicht versteht. Dann wird gerrn ein bisschen unpräzise formuliert und aufgerundet. Bei Industriemaschinenmechanikern dagegen wird von fachkundigem Publikum ausgegangen und schnörkellos formuliert und knapper kalkuliert. Der Industriekunde liebt die Maschine nicht sondern kalkuliert einfach nach. Wenn ich was habe, was ich nicht selbst kann, lasse ich bei einem Industriemechaniker reparieren.

 

Beispiel aus den vergangenen Wochen: Pfaff 261 meiner Mutter spuckt unten Gift, Galle, Feuer und Rauch. Auskunft von zwei Haushaltsmaschinenfachgeschäften mit eigener Werkstatt: Kann man nicht reparieren, gibt keine Teile mehr, Maschine muss neu. Rechnung meines Industriemechanikers: 25,88 Euro inklusive Mehrwertsteuer, bringen und Wiedereinbauen der Maschine mit Probenähen bei meiner Mutter. "Wieso, war doch nur ein Kondensator" (15,88 Euro), 10 Euro für die Lieferung "Wieso, das sind nur zwei Schrauben, der Einbau dauert keine drei Minuten." Sie musste halt etwas warten, bis er wegen anderer Kunden in der Nähe war.

 

Ich kenne alle drei Geschäfte selbst, die sind immer so.

 

Der Kondensator PFAFF 362 für Stopmatik-Schaltkasten kostet etwa 40 Euro. Eingebaut hat ihn das örtliche Repaircafe, das coronabedingt für den Motorkondensator allerdings nicht mehr zur Verfügung stand. Der Stopmatickondensator hat vier Kabelenden, das geht auch ohne Elektrotechnikstudium.

 

Ich kenne die Zickzackmechanik aus eigenem Wiedergängigmachen; das zermanscht nix ohne Vorschlaghammer. WD40, warme Luft (Fön) und ein bisschen Geduld - dann druchfeudeln und nach Vorschrift ölen. Das ist alles. Die 35 Euro sollte der Händler Dir zahlen als Ausgleich für den Ärger.

 

Gruß

Ralf C.

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Naja, die Händler müssen für ihre Reparaturen gewährleisten und können in einem argumentierbaren Rahmen eigentlich nichts daran verdienen. Meiner Erfahrung nach waren bei den Pfaff-362-Maschinen noch die Deckel der Schaltkästen allesamt sehr fragwürzig (angekokelt/bröselig) und damit die elektrische Sicherheit perdu (da nur schutzisoliert) und dann fliegt einem als Nächstes womöglich der Kondensator im Anlasser um die Ohren - wobei bei einem lauten Knall am Motor durchaus schon die Doppeldrossel im Anlasser als "Sicherungsersatz" gedient haben und durchgebrannt sein kann (hatte ich schon). Dann geht die Fummelei weiter...

 

Bei schutzgeerdeten Maschinen würde ich mir da auch weniger ins Hemd machen...

Edited by Technikus

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Wäre es eigentlich möglich,  diese Stopmatic-Funktion komplett wegzulassen, also auszubauen? Dann könnte man sich diesen teuren Kondensator schon einmal sparen. Dann es eine ganz normale Pfaff 360. Nutzer solcher Maschinen kommen jahrzehntelang ohne diese Stopmatic aus, ohne etwas zu vermissen.

Die verharzte Mechanik bekommt anschließend jeder Laie wieder hin. Das braucht eher Geduld als viel technisches Know-how.

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@Stefstef Man kann einen simpleren Entstör-Kondensator einbauen (nur für den Motor). Der sollte aber das Minimum sein, denn ohne ihn könnten Kollektor und Kohlen schneller verschleißen. Vermutlich fehlen dann zwei Lötstützpunkte, die man anders herstellen muss.

 

Mit der Stopmatic hat das nichts zu tun, dazu braucht man den speziellen Motor und den Dreifach-Umschalter sowie den Rastschalter mit Bowdenzug im kleineren Kasten.

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@Technikus
so, wie nekochan schrieb,  ist der Kondensator am Motor in Ordnung. Vielleicht ist der schon mal ersetzt worden. Zumindest wollte der Nähmaschinenmechaniker an dieser Stelle nicht arbeiten.

Die Stopmatic ist tatsächlich eine ganz andere Baustelle. Daher mein Vorschlag: einfach stilllegen. Diese Funktion ist für ein glückliches Maschinenleben nicht zwingend notwendig. Womöglich muss nur ein Kabel entfernt werden und das gute Stück läuft wieder.

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 sd15.gif 

 

jetzt weiß ich endlich, wer diese Maschinen in den Fingern hatte, bei denen die Stopmatic "entkernt" wurde

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Vielen Dank für die lieben Ratschläge (ich werd mir tatsächlich eine neue gönnen :classic_love: ) und anschaulichen Erklärungen ("Vorschlaghammer".... :classic_laugh:)!!

 

Gestern hab ich die Maschine wieder abgeholt, bin aber nicht gleich zum Antworten gekommen. Das große Kind hat Kindergarteneingewöhnung und ist am Nachmittag fix und fertig, das kleine kriegt Stockzähne und weint die halbe Nacht.

 

Die Chefin ist wirklich speziell. Sie hat sehr patzig und beleidigt reagiert, weil ich die Maschine unrepariert wieder mitgenommen habe und herumgesempert, dass viel zu lange gewartet wurde und so schad ist um die schöne Maschine und die war ja so teuer und und und. Ist alles nicht meine Schuld, mir wurde sie so wie sie ist in die Hände gedrückt. Und natürlich ist das nicht so, wie sie mir am Telefon gesagt hat. Mit der Bissgurn möcht ich echt nicht verheiratet sein!

Wie dem auch sei, der Vorschlag war von vornherein ein Ausbauen der Stopmatik (sie hat es nur anderes genannt), angeblich weil es keine Ersatzteile mehr gibt. Das wäre mir egal, ich kann auch ohne. Ob der Motorkondensator ok ist, weiß ich nicht - ich hab eingesteckt, bin aufs Pedal gestiegen, es hat kurz ssssssssSSSSS gemacht und schwarz war es in der Hütte.

Der Preis hat mich trotzdem geschreckt, auseinanderbauen, entharzen und wieder zusammenbauen hat bei der 138er 130 Euro gekostet. Das ist zwar schon ein paar Jahre her, aber eine Zickzack-Mechanik hat die ja auch. Oder machen es die ganzen Musterscheiben so kompliziert?!

 

Danke für den Tipp mit dem Repaircafe! So eines haben wir tatsächlich in der Nähe, coronabedingt tut sich da aber gerade nix. Laut Homepage haben sie auch keinen ausgewiesenen Nähmaschinenspezialisten dabei, aber ich werd noch mal nachfragen.

 

Jetzt steht sie fürs erste hier herum und wenn eine ruhige Minute ist, schau ich mal rein (und werd den letzten Rat der Bissgurn beherzigen: "Nicht mehr einstecken, nicht dass Sie abbrennen!"). Vielleicht rennt sie ja früher oder später wieder, es eilt nicht und die Hoffnung stirbt zuletzt. :classic_biggrin:

 

 

 

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@Stefstef Die Stopmatic besteht aus einer Zusatzwicklung mit Anzapfungen am Motor, die den Motor, richtig beschaltet, langsamer und schwächer laufen lassen. Eine von drei Anzapfungen wählt man mit dem Schalter von unten (durch die Motorplatte) aus. Im selben Kasten neben dem Motor befindet sich eine Entstörkombination aus 5 Kondensatoren, die an sich nichts mit der Stopmatic-Funktion zu tun hat.

 

Die typische Motorentstörung besteht aus dreien davon, je ein weiterer überbrückt HF-technisch außerdem das  Netzkabel bzw. das Anlasserkabel.

 

Ein weiteres entscheidendes Bauteil der Stopmatic ist ein kleiner, zweipoliger, offener Sprungschalter, der mit den drei Eingangsklemmen der Motorbeschaltung in einem Extra-Kasten sitzt. Von dort gehen fünf Kabel zum Motorschaltkasten, von denen unglücklicherweise zwei direkt in der Entstörkombi enden (grau und schwarz), ein drittes ist dort zusätzlich angelötet und zwei landen halt auf den beiden sichtbaren Klemmen.

 

Wer diesen Verhau nicht versteht, kann zugegebenermaßen zu dem Schluss kommen, der Ersatz der Entstörkombi durch eine eher handelsübliche dreiteilige lege die Stopmatic lahm - dann hat er sich aber verschaltet.  Offensichtlich ist auch der im Web kursierende PDF-Schaltplan an mehreren Punkten nicht korrekt. Ich kann ihn aber die Tage nochmals herauszeichnen - hab gerade solch ein Schätzchen in der Mache.
 

Ein Lahmlegen der Stopmatic ergibt sich zwangsweise nur mit einem anderen Motor (ohne die Zusatzwicklung mit den Anzapfungen) oder, wenn man einen defekten Sprungschalter nicht ersetzen kann (unwahrscheinlich). Freilich könnte auch diese Zusatzwicklung unterbrochen sein. Das hat aber alles nichts mit dem ominösen "Stopmatic-Kondensator" zu tun.

 

20170730_150537.jpg

 

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@nekochan Bitte nicht darauf hoffen, dass sich die Maschine selbst repariert.

 

Mit dem zu langen Warten kann die unfreundliche Dame tatsächlich Recht haben, denn auch bei der mir vorliegenden Maschine hat der verkochende Kondensator den Deckel des Motorschaltkastens mit geschädigt. Der andere ist aber komischerweise auch bröselig und beide gab es nicht mehr als Ersatzteile, deshalb stand "meine" Maschine mangels elektrischer Sicherheit ewig rum, während ich verschiedenste Leute wegen der Möglichkeit eines Nachbaues ansprach. Nun gibt es jemanden bei ebay, der beide Deckel günstig anbietet (10 und 15€) und sogar den Entstörfilter passend nachgebaut hat (35€) - zuzüglich Versand.

 

2020-08-08 16.36.36.jpg

Leider können aber auch im Anlasser zwei Kondensatoren defekt und, je nach Schadenshergang, die ominöse Doppeldrossel durchgebrannt sein (hatte ich bei einer 93), mit unterschiedlichen Fehlererscheinungen (meist läuft die Maschine nach einiger Zeit am Netz langsam von selbst los und wird immer schneller). Das wäre also was für einen Durchblicker im Repaircafé...

 

 

 

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Am 18.9.2020 um 18:18 schrieb Technikus:

@nekochan Bitte nicht darauf hoffen, dass sich die Maschine selbst repariert.

 

Nein nein! Ich hab ja eigentlich beruflich mit "Reparieren" zu tun, bloß nicht mit Motoren. Und bis jetzt hab ich um alles, was mit Strom zu tun hat, einen weiten Bogen gemacht. Die Geschichte mit der Stopmatic hört sich für mich jedenfalls furchtbar kompliziert an. Bei nächster Gelegenheit schau ich mal rein und erstatte Bericht. :-)

 

Danke für eure Hilfe, ich bin sehr begeistert von diesem Forum!!

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Die Geschichte ist nur insofern kompliziert, als dass Pfaff das mit den Mitteln der 50er Jahre lösen musste und in den Preis- und Platzverhältnissen einer Koffernähmaschine. Deshalb funktioniert die Stopmatic motortechnisch auf dem Niveau einer stufenschaltbaren Küchenmaschine dieser Zeit. (Dazu geistern noch Gerüchte im Web herum, dass dieser ominöse "Stopmatic-Kondensator" das Geheimnis der Schaltung sei - ist er nicht.)

 

Damit besitzt die Maschine zwei Einrichtungen zur Temporeduktion: Einen mehrstufigen Vorwiderstand ("Fußheizung") im Anlasser und eine dreistufige Feldverstärkung im Motor durch Vorschaltung zusätzlicher Statorwicklungen. Damals hat man sich anscheinend darauf verlassen, dass niemand auf die Idee käme, den Füßchenlüfterhebel länger hoch zu halten als nötig und womöglich gleichzeitig auf den Anlasser zu treten: Es gibt weder einen Umschalter zwischen beiden "Reduktoren" noch einen Endschalter ("Nadel oben").

 

Ich muss allerdings noch nachforschen, ob das Letzte nicht eine Sache der Justage ist, ob der mechanische OT- /NO-Anschlag den Stopmaticschalter wieder öffnen könnte. Soweit ich mich erinnere, wird zumindest eine neuerliche Betätigung verhindert. *

 

Weitere Infos folgen später - um mal an einer Stelle mit den Stopmatic-Mythen aufzuräumen...

______________________________

 

* Hab nachgeschaut: In den mir vorliegenden Unterlagen wird eine recht vielschrittige Justage der Stopmatic-Mechanik beschrieben, von einem selbsttätigen Zurückdrücken des Lüfterhebels zwecks automatischem Öffnen des Schalters ist nirgendwo die Rede.  Dagegen las ich gerade das erste Mal, dass dieser Dreifach-Schalter im Boden der Maschine zuvörderst zur Anpassung an die Netzspannung dient - nicht der Anpassung an Fertigungstoleranzen oder die Gängigkeit der Maschine. Er sollte also heute auf der schwächsten Position stehen, da wir seit der europäischen Angleichung aus alter Pfaff-Sicht mit einer permanenten Überspannung zu tun haben.

 

Edited by Technikus

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 sd15.gif 

 

es gab motoren, die spannungsumschaltbar waren

und

es gab diese motoren für die Stopmatic

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@josef Für 110 V brauchte man dann doch sicher auch einen anderen Anlasser, oder?

 

Übrigens hätte die Feldverstärkung alleine nicht nur eine niedrigere Drehzahl, sondern auch ein höheres Drehmoment zur Folge gehabt. Aber zusätzliche Wicklungen wie hier - in Reihe geschaltet - reduzieren ja gleichzeitig, quasi als Vorwiderstand, die maximale Leistungsaufnahme und so bricht das Drehmoment im Endeffekt ein. Auch das, also die Leistungsaufnahme, werde ich mal messen - mich wundert nämlich, dass kein Hinweis im Handbuch steht, man solle den Füßchenhebel nicht länger als nötig oben halten...

 

Ich vermute allerdings eh, so etwas war früher einfach selbstverständlich. Oder es war und ist eher für Frauen selbstverständlich. Heute kommen immer wieder Männer ins Repaircafé, die ihre Elektrowerkzeuge bis ins letzte ausgelutscht haben, obwohl da schon deutlich was "genörgelt" haben muss. Da war halt das aktuelle Projekt wichtiger als die Maschine - und dann hat man(n) es vergessen und beim nächsten Mal wieder die Maschine gequält...

 

Wer aber dreht heute noch Kollektoren ab oder repariert Ankerwicklungen zu einem Preis, der deutlich genug (wenn überhaupt) unter dem einer Neuanschaffung liegt? Zumal eine abgeranzte Kohle auch ihren Halter so aufheizen kann, dass er das umliegende Plastik zum Nachgeben erweicht. Aber oft scheint das vom Hersteller auch so gewollt zu sein...

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 sd15.gif 

 

Pfaff hatte für die Stopmatic-Motoren keine zusätzliche Wicklungen drin, sondern Wicklungs-Anzapfungen, die durch diesen Schalter aktiviert wurden 

 

bei den spannungsumschaltbaren Motoren wurde dieser Schalter aber für zusätzliche Widerstände genutzt 

 

auf den Anlassern steht : 110 bis 250 Volt die waren also für alle Motoren gleich 

 

die Amerikaner wurden wegen der unterschiedlichen "Herz-Zahlen" verrückt gemacht 

aber ob 50 oder 60 Herz spielt nur bei Plattenspielern, Uhren und ähnlichem eine Violine, nicht aber bei Wechsel-Strom-Motoren

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vor 13 Minuten schrieb josef:

Pfaff hatte für die Stopmatic-Motoren keine zusätzliche Wicklungen drin, sondern Wicklungs-Anzapfungen, die durch diesen Schalter aktiviert wurden 

 

Dem widerspricht bisher meine Messung. Genaueres kann ich aber erst sagen, wenn ich auch die Induktivitäten der drei Wicklungen gemessen habe (bei 100 Hz), eventuell zusätzlich die Umpolung einzelner Wicklungen durchexperimentiert habe (50 Hz, mal sehen, ob mit Trafo oder Vorschaltlampe). Angezapft ist die (bisher m. E.) getrennte Stopmatic-Wicklung, für die drei einstellbaren "Härten" des Anschlages am OT bzw. für die drei Fälle Netzunterspannung, Normalspannung, Netzüberspannung.

 

Ja, mit Widerständen kann man das Selbe erreichen, nur werden die ggf. heiß. Vielleicht hatten die älteren Modelle deshalb einen vierpoligen Stecker, um solche Stopmaticwiderstände in den Anlasser legen zu können? (Auf dem großen mit "aufgewickelt" und ihn zusätzlich mitbenutzend? Dann hätte der Anpass-Schalter aber auch ins Pedal gemusst.)

 

 

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vor 3 Stunden schrieb josef:

aber ob 50 oder 60 Herz spielt nur bei Plattenspielern, Uhren und ähnlichem eine Violine, nicht aber bei Wechsel-Strom-Motoren

 

Stimmt, das hatte ich vergessen... So rum spielt es keine Rolle, weil für 50 Hz gebaut. Jedenfalls nicht bei Universalmotoren. Umgekehrt wäre es evtl. fies geworden: Für 60 Hz braucht man weniger Blech von wegen magnetischer Sättigung. Wenn früher die Amis, die Japaner oder Hongkong sowas auf Kante nähten, hattest Du oft Elektrogeräte oder Netzteile ("Wandwarzen"), die bei 220V/50Hz unangenehm heiß wurden, trotz doppelter Windungszahl und einem gewissen Zusatzabstand durch 117/234V (anstatt110/220).

 

Da ging, wenn ich mich noch recht an alte Zeiten und Formeln erinnere, das Blechpaket bei jeder Halbwelle kurz in die Sättigung und der Strom stieg in deren Spitze völlig sinnlos noch extra an. Legendär die Netztrafos des Tandy TRS-80, eines der ersten Homecomputer... U. a. Fluch eines Designs, dass zwei von den Dingern beim späteren Ausbau in einer exakt bemessenen Kammer einer Erweiterungsbox unterbringen wollte.

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@Großefüß Das "t" hat Heinrich Hertz damals an die Quartzuhren abtreten müssen...

 

Was solltz? Nur Atzventzkrantzkertzen (selbst elektrische) waren nicht mal während der Schlechtschreibreformen durchzusetzen.

Edited by Technikus

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Am 18.9.2020 um 17:58 schrieb Technikus:

...

 

Wer diesen Verhau nicht versteht, kann zugegebenermaßen zu dem Schluss kommen, der Ersatz der Entstörkombi durch eine eher handelsübliche dreiteilige lege die Stopmatic lahm - dann hat er sich aber verschaltet.  Offensichtlich ist auch der im Web kursierende PDF-Schaltplan an mehreren Punkten nicht korrekt. Ich kann ihn aber die Tage nochmals herauszeichnen - hab gerade solch ein Schätzchen in der Mache.
 

...

Auf den korrigierten Schaltplan bin ich schon gespannt.

 

Wenn sich der so komplex gestaltet, kann ich mich ja glücklich schätzen, dass meine Urgroßmutter „nur“ eine 260 kaufte. Da ist eine Reparatur in der Elektrik etwas einfacher.

 

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