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Nähbert

Weste eines Bühnenkostüms - Frage zu Futter u Einlage

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Posted (edited)

Hallo in die Runde!

Alljährlich im Herbst nähe ich Kostüme für 11 Aufführungen einer vorweihnachtlichen Laientheateraufführung.

Dieses Jahr kleide ich 6 Flaschengeister mit Pumphosen und Westen ein. Die Kleidungsstücke sollen aus Karnevalssatin sein, den ich in zwei Qualitäten gekauft habe, einmal recht "fludderig" und rutschig, einmal etwas fester. Die Hosen habe ich jetzt an die sehr unterschiedlichen Körperformen der 6 Darsteller angepasst.

 

Jetzt sitze ich an den Westen und bin ratlos:

Schnittgrundlage ist ein uralter Burdaschnitt, den ich gekürzt, an den Armausschnitten weiter ausgeschnitten und unten an den VT abgerundet habe.

Für die beiden männlichen Schauspieler habe ich den Damenschnitt etwas abgewandelt, Schultern weniger abgeschrägt und Brustabnäher entschärft. 

Die Westen sollen über einem enganliegenden ärmellosen Body/Bustier aus Baumwolle getragen werden ( Damen) bzw direkt auf dem mit Theaterschminke angemalten Oberkörper ( Herren).

Die Spielleitung (die sich nicht viel aus aufwändiger Verarbeitung macht) meint nun, ich solle die Westen einfach doppeln, also Oberstoff und Futter aus gleichem Satin-Stoff in jeweils gleicher Farbe.

 

Meine Fragen und ich hoffe, hier hat jemand einen Tipp:

  • "Klebt" dann die Weste nicht am Körper? Dieser Satin hat ja die Eigenschaft sich statisch aufzuladen...
  • Muss ich die Weste nicht mit irgendetwas doppeln/verstärken? Ich hätte z.B. alte weiße Bettlaken, die ich zwischen OS und Futter legen könnte.
  • Sollte ich nicht zumindest das Rückenteil mit einem schwarzen Taftfutter statt des Karnevalssatins versehen? Hat ein Taftfutter andere statische Eigenschaften?

 

LG, Carola

 

 

 

20191007_164736.jpg

Edited by Nähbert
Text genauer formuliert

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Ob du eine Einlage brauchst, kommt halt auf den Stoff konkret an, das kann man jetzt nicht sagen, ohne es zu sehen und zu fühlen.

 

Wenn die direkt auf bemalten Oberkörper getragen werden, müssen die vermutlich nach jeder Aufführung in die Wäsche, oder? Baumwolle trocknet langsamer. Und schwitzen tut man natürlich nicht weniger.

 

Den Taftrücken an der klassischen Anzugweste machte man deswegen, damit es unter der Anzugjacke nicht aufträgt bzw. um Stoff an Stellen zu sparen, die nie jemand sieht. Ob du das willst, ist eher eine Frage des Looks.

 

Wenn ich das nähen müßte, würde ich mir (es sei denn, es spricht aus gestalterischen Gründen etwas dagegen) einen Boleroschnitt suchen. Ohne Abnäher und ohne Schulterabnäher. Bei elf Westen sind das immerhin 44 Nähte weniger. Und würde, wenn die beiden Stofflagen das hergeben, tatsächlich einfach doppeln. Und gut is.

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Ich frage mich, ob ich bei den Herrenwesten überhaupt einen Rückenabnäher brauche...

@nowakDu hast schon Recht, es sind einige Abnäher. Zumindest die Brustabnäher fallen weg bei den Herrenwesten, macht aber natürlich, wie Du sagst, pro Damenweste 8 Abnäher insgesamt für Futter und OS.

Die Bühnenkleidung wird so ungefähr nach jeder 4. Aufführung gewaschen, die spezielle Ganzkörperschminke für Theaterbedarf zerläuft und fleckt weniger als die übliche Karnevalsschminke, aber ja, waschbar sollte das Outfit sein, auch die Zierlitzen mit Goldfaden, die noch auf die Westen appliziert werden sollen.

Ich habe nach Boleroschnitten geguckt, aber die sitzen mir nicht körpernah genug. Dervon mir gewählte Schnitt hat auch schon das OK der Spielleitung. Im  Prinzip schrecken mich die Abnäher nicht, eher das Wenden bzw Verstürzen beim Futtereinnähen.

 

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Aber ohne Futter kommst du wohl nicht davon... Egal ob das Futter mit dem Oberstoff identisch ist oder ob es ein eigener Futterstoff ist.

 

Es sei denn, du machst breite Zierborten an den Kanten, dann könnte man links auf links aneinandernähen, die Nahtzugaben nach außen klappen und Borte drüber nähen. Das spart das Wenden durchs Futter.

 

Und wenn es eng sein soll, dann hilft Bolero natürlich nichts.

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Die erste Weste steht kurz vor dem Wenden.

Ich habe jetzt mal nur die Vorderteile mit Bettlakenstoff unterlegt, die Rückenteile sind einfach gedoppelt in Satin.

Alles in allem sehr rutschig und ich musste nach dem Schließen der Schulternähte und dem Auflegen von Futter und OS rechts auf rechts nochmal mit dem Rollenschneider nachjustieren.

Ich lasse die Weste jetzt anprobieren so wie sie jetzt noch ungewendet liegt und kann dann ggf noch an den Armausschnitten und hinten am Hals weiter ausschneiden und neu zusammensteppen, falls das nötig sein sollte.

20191008_221017.jpg

20191008_220948.jpg

20191008_220923.jpg

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Hallo,

 

gegen die statische Aufladung von Kunstfaserstoffen hilft ein wenig Weichspüler im letzten Spülgang (deutlich weniger, als für Baumwolle).

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Für die männlichen Versionen musst du den Brustabnäher völlig entfernen. Dadurch ändert sich die Kurve des Armausschnitts im Vorderteil.

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@eboli danke für den Hinweis. Das hätte ich nicht bedacht. Wird die Kurve dann steiler, tiefer ausgeschnitten oder was passiert?

Ich steh grad auf dem Schlauch...

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Am 10.10.2019 um 11:49 schrieb Nähbert:

@eboli danke für den Hinweis. Das hätte ich nicht bedacht. Wird die Kurve dann steiler, tiefer ausgeschnitten oder was passiert?

Ich steh grad auf dem Schlauch...

Ein Männerarmloch sieht vorne so ähnlich aus wie im Rücken, während bei einem Frauenschnitt das Armloch vorne viel stärker gekrümmt ist.

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So, die ersten 3 von 6 Westen sind fertig.

Die Anprobe hat noch einige Korrekturen ergeben und jetzt habe ich eine lila Weste in 42 mit größerem Brustabnäher (ich denke, es ist für einen C-Cup), eine dunkelblaue Weste in Gr. 44, ebenfalls mit mehr Platz für die Brust und eine türkisfarbene Teenagerweste, ca Gr 158 und einem Minimalbrustabnäher.

Alle Westen werden noch mit Bordüren verziert für den orientalischen Touch.

 

Das Unterlegen/Verstärken von Oberstoff und Futter (beide sind nun aus dem gleichen Stoff und auch je Weste in der gleichen Farbe) mit einfacher gestärkter Baumwolle hat gut geklappt. Die weiße Baumwolle, die ich als Zwischenlage verwendet habe, war mal hochwertige Kissenbezüge.

Ich habe nur jeweils die Vorderteile unterlegt und das reicht im Prinzip, wobei ich leider nicht immer Satin in hochwertiger Qualität für alle 6 Farben gekauft habe und nun 2 Westen aus relativ dünnem Satin ohne viel Stand genäht werden.

 

In meinem Schnittmusterfundus der Bühnenkostüme der letzten beiden Jahre habe ich Westenschnitte für Herren gefunden und da auch meine, im vorvergangenen Post gestellte Frage nach der Armausschnittrundung lösen können. Dank nochmal an eboli für den Input.

 

Jetzt frag ich mich nur noch, ob ich bei den Herrenwesten die Abnäher an der Schulternaht wirklich brauche...?

 

Lg, Carola

 

20191023_170325.jpg

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So. Zur Klärung der Frage, was bei der Herrenweste anders ist, habe ich jetzt den Schnitt für eine Theaterweste in Gr. 48, für einen 1,95 m großen Schlacks mit relativ geraden und leicht nach vorne geneigten (Computerspiel-)-schultern erstellt.

Den Folienschnitt hat er schon übergestreift und jetzt bereite ich den Zuschnitt vor.

Die Armausschnittkurve habe ich entsprechend den Anregungen hier verändert, Brust und Schulterabnäher sind weggefallen.

Die Weste bekommt neben Futter und Außenstoff aus grünem Satin eine durchgehende Zwischenlage aus altem Betttuch.

 

EDIT: Die Schulteranpassung war natürlich falsch eingezeichnet... die Schulterlinie muss bei einer nach vorne geneigten Schulter mehr ins Vorderteil reinreichen, d.h. Verlängerung des Rückenteils und kürzeres Vorderteil.

Inzwischen habe ich auch die Armausschnitte und den Hals noch etwas weiter ausgeschnitten.

 

20191102_120456.jpg

Edited by Nähbert

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Heute Anprobe der Herrenweste in Gr 48.

Ich fürchte, sie ist zu weit geraten, also werde ich nochmal trennen müssen.

Jedenfalls ist sie im Moment noch innen und außen identisch. Ich habe sie vorschriftsmäßig gewendet und es si d auch keine innenligenden Seitennähte sichtbar wie bei den übrigen 5 Westen.

Das bedeutet aber auch, dass ich bei einer Weitenänderung im Prinzip die Absteppungen wieder öffnen und von innen neunähen müsste, wozu mir allerdings im Moment die Lust vergangen ist.

Mal sehen, was die Spielleitung sagt.

Sollte es in Ordnung sein, bringe ich in den nächsten Tagen außen noch Zierlitze an und schließe das Westenprojekt ab.

 

 

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Ich möchte das selbe machen. Mit was für einem Zeitaufwand muss ich rechnen?

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Das kommt darauf an, wieviel Näherfahrung Du hast.

Ich würde mich als fortgeschrittenen Näherin bezeichnen, arbeite aber sehr genau und deshalb dauert es bei mir häufig länger.

 

Ich brauche für eine Weste mit Bügeln, Zuschnitt, Abnäher nähen (Damenversion), Bügeln, Zwischenlage festheften, Seitennähte rechts auf rechts feststecken, Nähen, Wenden, Zurückschneiden und Einknipsen der Nahtzugaben, Bügeln, Absteppen der Kanten insgesamt so um die 5 Stunden. Mit Zwischenanproben und Korrekturen dann entsprechend länger...

Die Herrenweste auf dem letzten Bild geht etwas schneller.

Wichtig ist, dass die Nahtzugaben unbedingt überall gleich breit sind und der Stoff vor dem Zuschnitt wirklich plan liegt.

Versäubern musst Du hierbei nichts, weil alle offenen Kanten durch das Wenden innen liegen.

Eine Hose mit Tunnelzug und Gummi oben und an den Beinen dauert so ca. 2 Stunden bei mir. Mit Overlock etwas schneller.

 

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Das Westenprojekt ist seit letzter Woche abgeschlossen.

Die Herrenwesten sitzen nach mehrmaliger Anprobe und Veränderungen an Schulter und Seitennaht jetzt zufriedenstellend.

Einer der männlichen Darsteller hat abfallende Schultern bei einer schmalen Gr. 164, der andere ist 1,95 m groß und dünn, hat eher gerade, aber breite Schultern. Diese Weste habe ich in Herrengröße 46/48 zugeschnitten.

Alle Westen haben durch die Zwischenlage aus Baumwolle ausreichend Stand. Auf einen Verschluss vorne habe ich verzichtet, was dazu führt, dass einige Westen weiter offen stehen als andere.

Die erste Theatervorstellung ist gut über die Bühne gegangen und ich hoffe, dass die Westen und dazugehörigen Hosen den Belastungen standhalten.

Weil die Schauspieler an Armen, Schultern, Hals und Kopf geschminkt sind, werden die Westen wohl auch häufiger gewaschen werden müssen. Da wird es spannend, wie sich das Material verhält.

Aber seht selbst:

 

 

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