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Junipau

Schnittmustertest: Lliria Dress von Pauline Alice

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Im Dezember wurde der Schnitt der spanischen Designerin Pauline Alice hier im Forum verlost (http://https://www.hobbyschneiderin24.net/portal/showthread.php?t=193690. Der Name war mir bis dahin völlig unbekannt, aber der Stil sprach mich auf Anhieb an. Und das, was es auf ihrer Homepage zu gucken gibt, gefällt mir auch. Also freue ich mich über die Chance, den Schnitt auszuprobieren!

Schnitt Lliria Dress von PaulineAlice, Bild Junipau

 

Der erste Eindruck beim Öffnen des Päckchens ist sehr sympathisch: eine schicke Kartonverpackung, darin vier große Schnittbögen aus festem, schönem Papier, ein richtig dickes Anleitungsheft in spanisch, englisch und französisch und ein Label zum Einnähen ins fertige Kleidungsstück. Ich habe mich an die frz. Anleitung gehalten und den englischen Teil zur Gegenkontrolle genutzt. Am Ende der drei Anleitungen befindet sich jeweils ein kleines Glossar der wichtigsten Fachbegriffe mit Bildern, das hilft dann zusätzlich, wenn das Fachvokabular nicht parat ist.

 

Ich habe den Schnitt entgegen meiner angeborenen Faulheit brav auf Kopierpapier übertragen - zum einen, weil die älteste Tochter spontan begeistert war und auch gerne ein Kleid hätte, sie aber zwei Größen schmaler ist als ich. Und zum zweiten, weil ein genauerer Blick in die Maßtabelle zeigt, daß doch ein paar Kleinigkeiten angepaßt gehören, wenn das fertige Kleid kein Teil für die Tonne werden soll. Die Durchschnittsspanierin scheint 1,65m klein zu sein - da brauche ich zusätzliche Länge auch im Oberteil (ich bin 1,76m). Aber die entsprechenden Linien sind sogar schon im Schnitt vorgesehen und machen die Sache einfach.

 

Die Maßtabelle entspricht ansonsten ziemlich exakt der Tabelle, die Burda verwendet; nur Gr. 48 weicht um 2 cm nach unten ab. Ich nähe Gr. 42, insgesamt 4 cm zusätzliche Länge habe ich im Schnitt untergebracht (einen cm auf Höhe des Armauschnitts - also auch in der Armkugel - und drei cm an der vorgesehenen Linie im unteren Bereich der Schnitteile). Geprüft habe ich ansonsten das Vorderteil (Körbchen B ist vorgesehen, da habe ich etwas mehr zu bieten) und den Rücken, damit der Halsausschnitt oben nicht aufsteht.

 

Auf der (sehr anregenden;)) Homepage von Pauline Alice finden sich viele Beispielmodelle des Kleides mit Stoffvorschlägen: https://www.paulinealice.com/fabrics-inspirations-for-lliria/ Ich hatte mich zunächst für einen leichten floralen Baumwollprint entschieden, der schon eine Weile hier liegt und zum Sommerkleid werden möchte - das Muster finde ich jedenfalls sehr stimmig mit dem Schnitt. Leider haben einige Kräuselproben aber ergeben, daß der Stoff doch nicht so weich fällt, wie es für den Schnitt mit seinen vielen gekräuselten Partien wünschenswert wäre. Also bin ich auf einen zarten Viskosestoff ausgewichen.

 

Die Auflagezeichnung für den Zuschnitt ist soweit exakt; allerdings habe ich dann einige der kleinen Teile noch ein bißchen anders geschoben, um noch zusätzliche Länge für den Rock zu gewinnen. Da möchte ich ganz am Schluß immer noch ein bißchen Spiel haben. Im Endeffekt habe ich die beiden vorgesehenen Modelle gemischt und die lange Variante mit Dreiviertelärmeln genäht.

Der Zuschnitt der Gürtelteile hat dann die ersten Nerven gekostet - in dem flutschige Stoff hat sich das ohne Ende gezogen. Wenn ich das nochmal nähen sollte, werde ich die Teile zum einen im Bruch zuschneiden (die sind nämlich doch symmetrisch - nur die Markierungen für Knöpfe etc. machen ein großes Schnitteil nötig), zum anderen würde ich einen solch zarten flutschigen Stoff lieber vorher mit Einlage bebügeln und erst dann zuschneiden. Jetzt ist es passiert, die angegebene Stoffmenge hat zwar gut gereicht, aber viel übrig habe ich nicht mehr für einen zweiten Versuch Gürtel.

 

Die Anleitung ist gut verständlich; gegen alle Gewohnheit habe ich mich brav Schritt für Schritt durchgearbeitet, die Schritte sind gut erklärt und soweit plausibel. Ein Rätsel bleibt aber, ob der Gürtel wirklich in der gezeichneten Weise mit der gebogenen Öffnung nach unten gedacht ist? Irgendwie erschiene es mir im Blick auf die Form des Körpers logischer, ihn nach oben zu biegen... Am Rücken finde ich den Fall auch etwas befremdlich. Aber die Bilder der Anleitung sind sehr eindeutig.

 

Von der Anleitung abgewichen bin ich bei der Verarbeitung der Vorderteile: Der dünne Stoff hat sich im schrägen Fadenlauf sehr schnell total verzogen und gedehnt. Ich habe also Stütznähte eingearbeitet, alles nochmal passend zum Schnittmusterteil in Form gebügelt und dann einen schmalen Streifen Vlieseline auf die Kante der Besatzteile gebügelt. Diese Stabilisierung ist im Schnitt nicht vorgesehen, aber meiner Meinung nach absolut notwendig. Und wenn es wieder ist, würde ich die Besätze mit einem deutlich breiteren Streifen bebügeln; für die Knopflöcher habe ich diesmal noch nachträglich etwas breitere Streifen eingebügelt, aber das war natürlich eine dumme Fummelei.

 

Aufregend fand ich die Verarbeitung des Besatzes: Er besteht aus der Rückenpasse, halben Vorderteilen, einem zweiten Gürtel und ca. 25cm breiten Streifen, die den Rock auf beiden Seiten verstürzen. Alles wird zunächst komplett zusammengesetzt, wobei der innere Gürtel frei schwebend dazwischengesetzt wird - man muß also höllisch aufpassen, den nicht plötzlich zu verdrehen. Ich habe das alles erst einmal vorsichtig auf meiner Schneiderpuppe zurechtgesteckt und abgeglichen, daß die Maße mit der Außenhülle exakt zusammenpassen. Beim Zusammennähen (ich hatte mich für die Variante entschieden, das im Nahtschatten aufeinanderzusteppen, statt alles auf der Hand zu nähen) kam es dann, wie eigentlich erwartet und befürchtet, zum Offenbarungseid. Die Gürtelteile passen nicht richtig aufeinander; irgendwo ist bei dem vielen Verzug ein wichtiger Zentimeter verloren gegangen und alles hat sich verzogen.

Nach einigen Rettungsversuchen durch Schieben und Ziehen und dreimal neu stecken und heften habe ich aufgegeben. Mein Gürtel ist nur noch im Bereich der Belege gedoppelt; im übrigen Bereich habe ich ihn kurzerhand weggeschnitten.:mad:

Anleitungsbeispiel Lliria Dress von PaulineAlice, Bild Junipau

Der Konstruktionsplan für den Besatz, Bild Junipau

Nach Anleitung kann das wohl nur funktionieren, wenn man a) die Gürtelteile wirklich vor dem Zuschnitt verstärkt, nicht erst hinterher und b) wohl noch fünfmal pingeliger arbeitet, als ich es gemacht habe. Dabei habe ich schon alles gründlich gesteckt und geheftet und gemessen...:rolleyes: An dieser Stelle bezweifle ich die zwei Punkte für die Schwierigkeitsangabe.

 

Für die Knopflöcher habe ich dann nachträglich noch mehr Bügeleinlage auf die Besätze gebügelt; das ging dann alles problemlos.

Sehr exaktes Arbeiten ist aber auch da noch einmal nötig, damit die schräglaufenden Knöpfe das Kleid nicht verziehen - ich habe die Knöpfe alle auf der Puppe festgenäht und war froh, daß sich da alles immer gleich aushängen konnte. Den Saum habe ich - anders als in der Anleitung vorgesehen - als allerletzten Schritt genäht; fertig geknöpft angezogen, hat sich beim Abpusten mit dem Rockabrunder gezeigt, daß ein simples Arbeiten mit 4cm Umklappen einen hinten zu kurzen Saum ergeben hätte. Das Verstürzen im Bereich der vorderen Besätze war dabei noch ein letztes Mal ein Arbeitsschritt, der ein gewisses Risiko zum Verziehen der ganzen Angelegenheit in sich barg - da ist viel Aufpassen nötig.

Lliria Dress von PaulineAlice, Bild Junipau

Fertiges Kleid von vorne..., Bild Junipau

Lliria Dress von PaulineAlice, Bild Junipau

... und von hinten, Bild Junipau

Fazit: Ein sehr schöner Schnitt mit einer interessanten Schnittführung, aber mit einigen Stolpersteinen. Der Schwung in Gürtel und Manschetten hat sich an den Ärmeln sehr gut umetzen lassen; am Gürtel ist er weniger gut zu erkennen (wohl wegen der geschilderten Probleme mit dem Verziehen von Anfang an). Die Herstellerin scheint eine absolute Perfektionistin mit einem gewissen Hang zur Umständlichkeit zu sein;) Daher ist die Umsetzung nicht ganz ohne... Gut gefallen hat mir aber, daß sie wirklich detailliert die Bearbeitungsschritte beschreibt und auch Dinge wie das Einschneiden der Rundungen bei den Nahtzugaben oder das Untersteppen der Nahtzugaben erwähnt.

 

Ach so, und noch die Frage nach der Sprache - die Anleitung ist sehr schön bebildert, von daher denke ich, daß jemand, der die Grundlagen des Nähens beherrscht und auch ohne Anleitung weiß, wann irgendetwas zu kräuseln, zu untersteppen, zu bügeln, einzuschneiden etc. ist, das Kleid eigentlich auch nur anhand der Bilder nachnähen können sollte, ohne sich mit Englisch, Französisch oder Spanisch herumzuschlagen. Wer allerdings noch nicht so sicher in den einzelnen Verarbeitungsschritten ist - da hängt es dann sehr von den Naturtalenten ab, ob das klappt;)

Manschettendetail am Lliria Dress von PaulineAlice, Bild Junipau

Manschettendetail, Bild Junipau

 

Ich kann mir durchaus vorstellen, das Kleid noch einmal zu nähen, dann aber nach meiner eigenen Anleitung:

- Stoff für Gürtelteile erst mit Bügeleinlage verstärken, dann im Bruch zuschneiden

- Oberteil sofort mit Stütznähten versehen

- Besätze auf mind. 10 cm Breite mit Vlieseline verstärken

- Oberteil mit Besatz verstürzen, Ausschnittkante untersteppen

- Gürtelteile von innen und außen an das Oberteil nähen

- Gürtelteile nach oben klappen, Vorderkanten verstürzen

- Rock mit Besatzteilen in den Gürtel fassen

- Rest nach Anleitung

 

Falls jemand das Kleid auch nähen mag, fände ich es sehr spannend, Ihr könntet hier im Thread Rückmeldung geben, wie Ihr mit der Verarbeitung klar gekommen seid!

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Danke für deinen ausführlichen Bericht!

 

Das Kleidung wirkt klassisch schick und etwas elegant.

 

Schade um den Kampf mit dem Tailleneinsatz (so hätte ich ihn bezeichnet ) das hört sich schwierig an. Ich verstehe sehr gut, dass du nach mehreren Versuchen eine Abwandlung vorgenommen hast. Man könnte dazu eine andere Abwandlung an diesem Einsatz vornehmen: eine hintere Mittelnaht mit großzügiger Nahtzugabe, dann lässt sich ein fehlender cm leichter korrigieren.

 

LG Ulrike

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Da ist sehr schick und ich könnte es mir für mich auch vorstellen.

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Ein sehr schönes Kleid! Ich hoffe, der Kampf mit der Anleitung vergällt Dir nicht die Tragefreude.

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Das ist wirklich sehr schön geworden, auch der Stoff passt wunderbar dazu!

 

Das könnte durchaus etwas für mich sein.....

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Danke für deinen ausführlichen Bericht!

 

Das Kleidung wirkt klassisch schick und etwas elegant.

 

Schade um den Kampf mit dem Tailleneinsatz (so hätte ich ihn bezeichnet ) das hört sich schwierig an. Ich verstehe sehr gut, dass du nach mehreren Versuchen eine Abwandlung vorgenommen hast. Man könnte dazu eine andere Abwandlung an diesem Einsatz vornehmen: eine hintere Mittelnaht mit großzügiger Nahtzugabe, dann lässt sich ein fehlender cm leichter korrigieren.

 

LG Ulrike

 

"Gürtel" habe ich das Ding entsprechend der Bezeichnung in der Anleitung genannt ("ceinture") - wenn man vorgewarnt ist, gibt es aber natürlich verschiedene Möglichkeiten, das zu ändern. Ich würde vielleicht eher auf Höhe der Seitennähte mit zusätzlichen Nähten arbeiten, das dürfte weniger auffallen? Wobei man sich natürlich auch auf eine Naht im Innenteil beschränken kann für den Ausgleich, dann ist es natürlich egal, wo die ist.

 

Das Wetter wird ja wärmer, da gibt es dann auch bald Gelegenheit für den Tragetest:D

 

LG Junipau

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(bearbeitet)

Sehr schön genäht und vielen Dank für Deine ausführliche Erläuterung!   Pauline Alice kannte ich noch nicht,  ich hab mir gerade ihre Webseite angeschaut und bin sehr angetan von ihren Schnittmustern und Tutorials.  Das nächste Projekt (Romero Trousers) habe ich schon anvisiert ;)

 

bearbeitet von ickemixe

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