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Nahtzugabenverarbeitung im fertigen Steppstoff - Teil 1


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Steppstoff mit zwei fertigen Seiten
© elkaS

Ich habe einen fertigen Steppstoff, der zu einer Jacke werden sollte. Fertig heißt, es handelt sich um zwei Stoffe mit zwischengestepptem Volumenvlies. Da er also bereits eine glatte linke Seite hat, die man in einer Jacke gut gebrauchen kann, wollte ich kein zusätzliches Futter einarbeiten. Und das führte wiederum dazu, dass ich mir viele Gedanken über die Verarbeitung der Nahtzugaben machen musste.Damit das zu lösende Problem deutlich wird, hier zwei Bilder von einigen Schnittteilen, und zwar von Rücken und Ärmel:
Schnittteile Rücken und Ärmel
© elkaS








Die vorderen Teilungen sehen genauso aus wie die am Rücken, enthalten aber Taschen. An den Halsausschnitt wird ein großer Kragen angesetzt. Die vordere Mitte bekommt einen Reißverschluss.Der Schnitt hat also ein paar mehr als die unbedingt notwendigen Nähte, so dass auch ein paar mehr Nahtzugaben zu versäubern sind. Und da es kein Futter gibt, soll die Versäuberung ansehnlich werden. Eine Overlockversäuberung, die ja durchaus im passenden Material gut aussehen kann, kommt hier eher nicht infrage, denn im Steppstoff sieht eine Nahtzugabe an der fertigen Naht so aus:
Naht mit unversäuberter Nahtzugabe
© elkaS





Das wird mit einer Overlockversäuberung nicht viel schöner. Die sichtbaren Kanten mit dem Volumenvlies müssen deshalb verschwinden.Schnell angedacht ist in solchen Fällen natürlich die Einfassung aller Nahtzugaben mit Schrägband. Das ist für manche Nähte auch sehr sinnvoll, gefiel mir aber nicht für alle gleichermaßen. Also habe ich andere Lösungen gefunden.Um ein bisschen flexibel zu sein, habe ich alle Teile mit 1,5 cm Nahtzugabe zugeschnitten. Ich hatte mit dem Gedanken gespielt, noch etwas mehr anzuschneiden. Aber bei diesem störrischen Material die Nahtlinien aufeinanderzubringen wird auch nicht einfacher, wenn die Nahtzugabe so breit ist. Auf der Nahtzugabe habe ich alle Teile mit einer lockeren Heftnaht umnäht. So verschieben sich die Stofflagen und das Volumenvlies weniger, was die Verarbeitung erleichtert.
Nahtzugaben vorbereiten
© elkaS

Die Nahtzugaben der Teilungen im Rücken hab ich in Kappnähten verschwinden lassen. Ich verzichte hier mal auf eine nähere Bezeichnung der Kappnaht, weil meine Nähbücher sich dazu unterschiedlich verhalten. Das Prinzip ist immer dasselbe: Eine der beiden Nahtzugaben wird gekürzt, von der anderen umschlossen und festgesteppt.


Mein Steppstoff braucht allerdings für die Umsetzung dieser Naht zusätzliche Vorbereitungen. Die Nahtzugaben sind zusammen zu voluminös für mein Vorhaben. Also trenne ich auf der Nahtzugabe, die nicht gekürzt wird, erstmal meine lockere Heftnaht und ggf. auch die Steppung auf, damit ich die Lagen voneinander lösen kann. Ich will nämlich die Vliesschicht soweit kürzen wie die andere Nahtzugabe. Danach steppe ich die verbleibenen Lagen wieder zusammen. Die andere Nahtzugabe kürze ich und plätte sie mit einem kleinen Zickzackstich.
Kappnaht arbeiten
© elkaS


Jetzt kann ich die größere Nahtzugabe einigermaßen leicht um die andere legen. Mit dem Bügeleisen möchte ich nicht an dieses reine Polytierchen gehen, also stecke ich den Beginn der Kappnaht fest, nähe ein Stückchen und umschlage dann direkt vor der Nadel Stück für Stück die Nahtzugabe.
fertige Kappnaht
© elkaS
So sieht es dann aus, innen zwei sichtbare Nähte, außen eine.Ebenso verfahre ich mit den Teilungsnähten der Ärmel.


Im Vorderteil hätte man auch wunderbar so weitermachen können. Wenn da keine Taschen in den Teilungen wären. Bevor ich zu den Nahtzugaben der vorderen Teilungsnähte kommen konnte, musste ich mir also erstmal was für die Taschen überlegen. Oder die Taschen weglassen, aber das wollte ich nicht.
Taschenteile vorbereiten
© elkaS





fertige Taschenteile
© elkaS

Problem war hier einerseits wieder der Steppstoff. Viel zu dick für Taschen, denn man braucht ja für jede Tasche zwei Teile. Das Volumenvlies musste also ohnehin raus. Eine einzelne Lage Innen- oder Außenstoff erschien mir dann aber auch wieder zu dünn.Und so kam mir die Idee, aus den verbleibenden Lagen eine zu machen. Rechts auf rechts aufeinandergenäht, gewendet an der Kante, die nachher ohnehin ans Vorderteil genäht wird, und einmal rundrum knapp abgesteppt, hat man ein Taschenteil mit zwei schönen Seiten und ohne offene Nahtzugaben.
vorderes Seitenteil mit Tasche
© elkaS



Wenn das untere Taschenteil an das vordere Seitenteil genäht ist, soll man laut Anleitung das Taschenteil auf die Nahtzugabe legen und knapp absteppen. Das würde nun im Bild links auf der unversäuberten Nahtzugabe geschehen, was ich natürlich nicht will, weil die Versäuberung danach schwierig wird. Also muss jetzt die Nahtzugabe einzeln versäubert werden

falsche französische Naht
© elkaS
Weil ich eine Nahtzugabe habe, die aus zwei Stofflagen (und Vlies) besteht, kann ich trotz der einzelnen Versäuberung Techniken anwenden, die sonst für bereits zusammengenähte Teile genutzt werden.Die Verarbeitung, die ich wähle, bezeichnet z.B. die Große Nähschule von Alison Smith als falsche französische Naht.Ich nähe dafür erstmal eine Heftnaht auf der Nahtlinie, an der die Vorderteile und die vorderen Seitenteile nachher zusammengesetzt werden sollen. Diese Naht dient mir als Begrenzung und Markierung. Dann löse ich wieder die Stofflagen voneinander und kürze die Vliesschicht auf ca. ein Drittel der Nahtzugabe. Danach schlage ich die beiden Stofflagen jeweils nach innen ein, wobei ich mit einer Lage die Vliesschicht umschließe. Die Nahtzugaben der angenähten Taschenteile nehme ich dabei einfach mit, schlage sie also auch mit ein. Damit die Lagen schön aufeinander bleiben, bekommen sie ganz viele Stecknadeln verpasst, bevor ich alles knapp an der Kante zusammensteppe. So verfahre ich weiter mit allen vorderen Nahtzugaben.
Schulternähte versäubern
© elkaS

Schulternähte versäubern
© elkaS

Nach dem Zusammennähen und Absteppen der vorderen Teilungen schließe ich die Schulternähte.Die Zugaben an der Schulter möchte ich gern möglichst flach halten. Da muss ja später noch der Ärmel ran. Deshalb falte ich sie auseinander und versäubere sie einzeln. Dazu kürze ich die untere Stofflage nebst Vlies auf ca. die Hälfte, schlage die obere Lage einmal um die untere herum und steppe die so eingeschlossene offene Kante an den Oberstoff.Ebenso verarbeite ich die Seitennähte.
Und weil das jetzt schon ganz schön viel war, lege ich ein Päuschen ein und zeige euch den Rest der Nahtzugabenverarbeitung im Steppstoff und die dann hoffentlich fertige Jacke am nächsten Wochenende.
Habt einen schönen Sonntag! :)



Edited by elkaS
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Wow, Wow,Wow!

 

Tolle Innenverarbeitung!

Ich glaub jetzt traue ich mich nicht mehr an eine Jacke,

Habe Outdoorstoffe gekauft und nun Steppstoff dazu und wollte die Nähte dazu innen verschwinden lassen, zwischen Outdoorstoff und Steppfutter.

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Wow, Wow,Wow!

 

Tolle Innenverarbeitung!

Ich glaub jetzt traue ich mich nicht mehr an eine Jacke,

Habe Outdoorstoffe gekauft und nun Steppstoff dazu und wollte die Nähte dazu innen verschwinden lassen, zwischen Outdoorstoff und Steppfutter.

 

Wenn Du Obermaterial und Steppfutter getrennt hast - dann kannst Du das ganz normal verarbeiten wie sonstigen Futterstoff auch. Hier ging es ja draum, dass Oberstoff und Steppfutter schon zusammengesteppt waren - vom Prizip her also eine "ungefüttere" Jacke gearbeitet wird - und damit die Nahtzugaben innen sichtbar sind...

 

Sabine

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Toll erklärt:klatsch1:, vielen Dank! Das muss ich mir unbedingt abspeichern und freue mich auf die Fortsetzung. Ich hab hier nämlich auch noch so nen Doppelstepper und wusste nie so recht, wie ich den händeln sollte.

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  • 2 weeks later...
  • 2 weeks later...

Wow Kati,

dies ist genau das, was ich heute brauche. Lea hat mich auf dieses Thema gestoßen. Vielen lieben Dank für deine ausführliche Beschreibung. Du bist des Rätsels Lösung! Du bist meine Rettung! :hug:

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