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Anproben (Maßschneiderei)


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Zur Zeit nehme ich Haute Couture-Verarbeitungs-Stunden bei einer ganz hervorragenden Damenschneiderin in Wien.

Als erstes arbeite ich an einer klassischen Bluse für mich und habe bisher schon eine Menge gelernt:

1) Schnittkonstruktion nach Müller, oder wem auch immer, ist nur eine Arbeitsgrundlage. Ganz einfach deswegen, weil es unmöglich ist, alle körperlichen Details von vornherein im Schnitt abzubilden.

2) Ein unerprobter Schnitt wird zuerst mit mindestens 3cm Nahtzugabe zugeschnitten, damit man Reserven für die Anprobe hat. Bei mir musste z.B. auf der rechten Hüfte eine Menge rausgelassen werden, weil dort durch die Jahrzehnte des einseitigen Taschentragens die Muskelmasse deutlich größer als links ist.

3) Die endgültige Schnittform wird bei der Anprobe ermittelt. Sogar der Ärmel wird erst bei der Anprobe angesteckt und die Passzeichen werden nachher eingefügt!

4) Es zahlt sich wirklich aus, bei der Anprobe ganz ehrlich hinzuschauen und sich Zeit zu nehmen. Klingt banal, aber für mich ist das eine große Erkenntnis. Ich tendiere bei der eigenen Kleidung durchaus zu Huschhusch.

5) Damit man sich bei den Änderungen auskennt, ist es gescheit, verschiedene Heftfadenfarben für die verschiedenen Bearbeitungsstufen zu nehmen. Also z.B. alles zuerst mit rot für die erste Anprobe heften, dann die Korrekturen aus der ersten Anprobe mit grün für die zweite Anprobe, usw.

6) Erst wenn alles passt, geht es an die Nähmaschine.

 

Ich war zuerst von der scheinbar langsamen Arbeitsweise irritiert (Nahtlinien markieren, alles heften), aber denke, dass ich mir mit dieser sorgfältigen Vorarbeit letztlich eine Menge Arbeit erspare. So brauche ich kein Nesselmodell anzufertigen oder Maschinnähte aufzutrennen. Außerdem habe ich nachher einen wunderbaren Grundschnitt, den ich nach Belieben umarbeiten kann.

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@eboli: So kenne ich das auch.

 

Und es ist eigentlich logisch: Auf all diese Schritte kann man nicht verzichten ohne Qualitätseinbußen, sonst würden die Maßschneider sie nicht seit Generationen so machen. Die haben auch schon immer gegen die Uhr arbeiten müssen und wenn es schneller und bequemer ginge, dann hätten sie es so gemacht.

 

Das muss man sich manchmal vor Augen halten, wenns wirklich gut werden soll.

 

 

Nahtzugaben, die wirklich im Wege waren, wurden bei uns in der Aprobe dann eingeschnitten und weggeklappt (nicht: abgeschnitten, das erst als allerletztes).

 

In meinem aktuellen Nähkurs bekam eine Teilnehmerin letztens eine Mantelanprobe und die Leiterin hat es genau so in der Reihenfolge gemacht, wie es auch eine andere Kursleiterin vor 15 Jahren schon machte und wie es auch meine eigene Schneiderin bei Anproben an mir gemacht hat.

 

I.

Isebill

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Danke für diesen Bericht!

Ein Problem bei sowas ist natürlich auch, dass man es können muss - bzw. dass man Gelegenheit haben muss, es zu lernen und zu üben.

 

Es zahlt sich wirklich aus, bei der Anprobe ganz ehrlich hinzuschauen und sich Zeit zu nehmen.

 

Meiner Meinung nach muss man dafür den Blick auch schulen: Wo ist es zuwenig, wo zuviel? Was passiert wenn ich wo etwas rauslasse, etwas wegstecke?

Dazu kommt, dass man ja hinten keine Augen hat und an sich selbst nicht gut abstecken kann.

 

Ich habe zwar einige Freundinnen die nähen, aber diese Schritte kann auch keiner so richtig gut. Und bei den Nähkursen, in die ich hier reingeschaut habe, ist für sowas nicht wirklich raum (beneide dich deshalb ein bisschen...), weil die meisten primär die grundlegenden Nähtechniken lernen müssen.

 

Ich könnte schon mal bei einer Schneiderin zwei, drei Stunden buchen, um etwas gut abzustecken etc. Allerdings bräuchte ich länger, um Übung zu bekommen.

(Ist ja auch ein Grund, warum das ein Handwerk ist, das man über Jahre lernen muss).

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Armloch: hier haben wir an der Schulter 3cm zugegeben und die Zugabe nach unten schmäler werden lassen (2cm). Bisher kannte ich das nur vom Sakkozuschnitt. Bei mir hat es gesessen, aber falls da zu viel gespannt hätte, wären wir vorgegangen wie von Isebill beschrieben. Einschneiden und wegklappen.

 

Markierungen: ich habe leicht mit Bleistift markiert, weil Schneiderkreide auf dem Stoff zu wenig sichtbar war (weiße Leinen-Seiden-Mischung). Sonst natürlich Schneiderkreide und fürs Durchschlagen billige Nähseide (verschiedene Farben!). Markierungen, die auf der rechten Seite sichtbar sein müssen, werden mit Handvorstichen durchgenäht.

Ich habe meine Lehrerin auch gefragt, was sie vom Burda Kopierpapier hält, und sie meinte: Hände weg vom blauen und gelben, aber das weiße ist gut.

 

Sich selbst beurteilen: das geht schon, ist aber sehr umständlich. Man muss alles heften, sich über zwei Spiegel selbst beurteilen, die Änderungen schätzen, ausführen, wieder im Spiegel beurteilen usw. Da ist es schon einfacher, die Stunde bei einer Schneiderin zu bezahlen. Sie hat die Erfahrung, es ist viel einfacher, geht schneller und ist daher auch billiger. Schließlich ist meine eigene Arbeitszeit auch etwas wert, weil ich währenddessen ja eine bezahlte Tätigkeit hätte verrichten können.

 

Traditionelle Arbeitsschritte und Schnelligkeit: Isebills Bemerkungen ist nichts hinzuzufügen. Wenn sich Arbeitsschritte erhalten haben, so hat das immer einen guten Grund.

Edited by eboli
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Vielleicht noch ein Bericht zum Maßnehmen:

Ich war richtig erleichtert, dass meine Lehrerin dieselben zwei Punkte als schwierig bezeichnet hat, die auch mir Probleme bereiten - der Halsansatz und der Schulterpunkt.

Den Halsansatz umgeht sie, indem sie vom 7. Halswirbel weg misst und die berechnete Halsspiegelbreite abzieht (1/20 OW + 2cm). Und die Schulterbreite legt sie erst bei der Anprobe durch das Anstecken des Ärmels fest - daher die breite Zugabe an dieser Stelle beim Zuschnitt.

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Hallo,

 

so wie von Dir beschrieben, Eboli arbeite ich auch. So habe ich schon gelernt und so ist es bei guten Schneidern üblich.

 

Allerdings mache ich grad bei sehr empfindlichen Stoffen oder einer neuen Kundin durchaus ein Nesselmodell, weil ich die Zeit locker später wieder reinhole, wenn ich dann die meisten Änderungen schon in den Schnitt übertragen habe.

 

Ich lege sehr großen Wert auf exakte Nahtzugaben (das ist bei einigen Schneidern nicht üblich, die schneiden frei Schnauze), das erleichtert das Zusammenstecken sehr.

 

Die Vorderlänge und den Brustpunkt messe ich so: Ich lege das Maßband ab Taille komplett um den Hals und messe über beide Brustpunkte auf der anderen Seite wieder runter. Dann teilt man durch 2 und zieht den errechneten Halsspiegel ab. Das wurde uns bei der Meisterprüfung so beigebracht und ich fahre damit sehr gut. Wenn man natürlich eine sehr schiefe Person hat, muss man das beachten, bzw erarbeite ich mir dann die Änderungen mit einem Nesselmodell und fertige für jede Seite einen extra Schnitt an.

 

viele Grüße

Vintoria

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Ich finde es sehr bedauerlich, dass diese Art von Threads nicht weitergehen können wenn das Forum schließt. So vieles habe ich davon profitiert.

 

Ich danke für die Erfahrungen die an dieser und an anderen Stellen mit mir geteilt wurden.

In großer Dankbarkeit und mit freundlichem Gruß

Maria

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Die Vorderlänge und den Brustpunkt messe ich so: Ich lege das Maßband ab Taille komplett um den Hals und messe über beide Brustpunkte auf der anderen Seite wieder runter. Dann teilt man durch 2 und zieht den errechneten Halsspiegel ab.

 

Das ist genau dieselbe Methode.:) Entweder von Taille bis Taille oder nur bis zur Mitte = Vorsprung des HW7.

Ich wundere mich nur, warum in den Messanleitungen der Industrieschnitte (Modehefte, Fertigschnitte) die vordere Länge und die Brusttiefe immer vom Halsansatz gemessen wird. Wer kann denn wirklich sagen, wo der genau liegt! Wo beginnt der Hals und wo endet die Schulter?

Vermutlich ist der wirkliche Grund der, dass man den Kundinnen diese einfache Rechenoperation nicht zutraut.

 

@Maria54: Vielleicht überlebt das Forum doch.

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ich freue mich, daß hier noch mehr auf den Geschmack kommen.

Eboli, für dich freue ich mich besonders :-)

Ich habe einen 3-flügeligen Spiegel zuhause und kann meine Rückfront durch einen größeren Handspiegel kontrollieren. Auch die Positionen von Änderungen und Anpassungen kriege ich meist ganz gut hin. Dafür hab ich allerdings auch zig Anproben. Einen Termin bei einer Schneiderin zu buchen ist durchaus eine Alternative und eine Überlegung, die mir derzeit, mit nicht mehr taufrischen 20 Jahren und entsprechender Gelenkigkeit, häufiger durch den Kopf geht.

 

Kerstin

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Das ist genau dieselbe Methode.:) Entweder von Taille bis Taille oder nur bis zur Mitte = Vorsprung des HW7.

Ich wundere mich nur, warum in den Messanleitungen der Industrieschnitte (Modehefte, Fertigschnitte) die vordere Länge und die Brusttiefe immer vom Halsansatz gemessen wird. Wer kann denn wirklich sagen, wo der genau liegt! Wo beginnt der Hals und wo endet die Schulter?

Vermutlich ist der wirkliche Grund der, dass man den Kundinnen diese einfache Rechenoperation nicht zutraut.

 

@Maria54: Vielleicht überlebt das Forum doch.

 

Also ich mag die Messmethode vom hinteren Halsansatzpunkt gar nicht, egal ob einseitig oder doppelt gemessen wird.

Einmal, weil ich dieses Maß nur sehr schwer am Papierschnitt oder fertigen Teil nachmessen kann, im Besonderen, wenn das Kleidungsstück einen weiteren Halsauschnitt hat.

Einmal weil schon 1 cm mehr Halsausschnitt bei Personen mit starker Schultermuskulatur, z.B. bei Sportlern, einen enorm großen Unterschied macht, da über den Schultermuskel hinweg zu messen.

Außerdem hat man doch da auch Schwierigkeiten, den genauen Schulter/Halspunkt zu bestimmen.

 

Der Schulterhalspunkt liegt dort, wo sich die untere Halsumfanglinie mit der Schulterlinie (die auf dem Grat der Schulter verläuft) kreuzt.

Eine Hilfe ist es, eine eng anliegende Kette anzuziehen und dies Stelle zu nehmen, wo sie sich mit der Schulterlinie trifft.

 

Diesen Punkt muss man einfach optisch erfassen und definieren und festlegen. Er bestimmt dann halt die Weite des Halsausschnittes und die Weite der Schulternaht zum Hals hin.

Auf dem Papierschnitt wird er sicher gefunden. Bei etwas weiterem Halsaussschnitt kann man sich zum Nachmessen einfach die Schulterlinie etwas verlängern.

 

Warum man bei der Maßschneiderei so viele Maße durch Formeln errechnet erschließt sich mir auch nicht. Wenn der/die Schneider/in die Person doch sowieso abmisst, warum nicht auch weitere Maße messen, wie z.B. die Halsspiegelbreite.

Die Halsspiegelbreite kann von nicht sportlichen zu sportlichen Menschen sehr abweichen, was nicht durch eine Formel erfasst werden kann.

 

 

@eboli, danke für den Bericht. Ich finde es immer interessant, zu lesen, wie Profis arbeiten.

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Ist ja interessant, denn ich mag die Kettenmethode gar nicht....:p

 

Warum man bei der Maßschneiderei so viele Maße durch Formeln errechnet erschließt sich mir auch nicht. Wenn der/die Schneider/in die Person doch sowieso abmisst, warum nicht auch weitere Maße messen, wie z.B. die Halsspiegelbreite.

 

Also, sooo viele Maße sind das aber nun auch wieder nicht und sie basieren auf Massenvermessungen und jahrhundertelanger Erfahrung. Aber wie ich schon geschrieben habe: die Schnittkostruktion ist nur die erste Arbeitsgrundlage, denn der endgültige Schnitt wird dann an der Kundin drapiert.

Edited by eboli
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Wenn man gleich die richtigen Maße nimmt, kann man sich aber Arbeit ersparen.

 

Ursel, hast Du Erfahrung mit Maßschneiderei? Ich vermute mal: nein. Meine Lehrerin hat bei Adlmüller gelernt und dann lange bei Esacada gearbeitet, bevor sie sich selbstständig gemacht hat. Ich denke, das hat schon ein wenig Gewicht.:D

 

Aber am besten, ich zitiere nochmal Isebill:

 

Auf all diese Schritte kann man nicht verzichten ohne Qualitätseinbußen, sonst würden die Maßschneider sie nicht seit Generationen so machen. Die haben auch schon immer gegen die Uhr arbeiten müssen und wenn es schneller und bequemer ginge, dann hätten sie es so gemacht.

 

Das muss man sich manchmal vor Augen halten, wenns wirklich gut werden soll.

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Ursel, hast Du Erfahrung mit Maßschneiderei? Ich vermute mal: nein. Meine Lehrerin hat bei Adlmüller gelernt und dann lange bei Esacada gearbeitet, bevor sie sich selbstständig gemacht hat. Ich denke, das hat schon ein wenig Gewicht.:D

 

Aber am besten, ich zitiere nochmal Isebill:

 

sie hat Erfahrung, von ihr habe ich meinen Hosenmaßschnitt :hug:

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Ika, ich war auf Ursels Homepage und habe dieser eben nicht entnommen, dass sie Erfahrung mit echter Maßschneiderei/Couture hat. Sie hat eine industrielle Ausbildung gemacht.

 

Das Problem ist ja schon immer, dass die Bezeichnung Maßschneider, Maßanfertigung u.ä. nicht geschützt ist. Zwar versteht man darunter höchstwertige Anfertigung mit individuellen Schnitten und persönlichen Anproben, aber auch Maßkonfektionäre oder Maßschnittanbieter können ihre Produkte unter dem selben Mantel vermarkten. Da kommt es eben leicht zu Verwechslungen.

Edited by eboli
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@eboli,

ich habe jetzt ca. 30 Jahre Erfahrung in der Maßschneiderei. Du hast recht, dass ich "nur" Textiltechnik studiert habe. Praktische Erfahrung habe ich bei einer Schneiderin und in einer Änderungsschneiderei gesammelt. Die Schnittkonstruktion und Arbeiten auf Maß habe ich mir autodidaktisch angeeignet.

 

In der Sparte (spezielle Sportbekleidung aus sehr festem und dickem Material), in der meine Firma arbeitet, fand ich das als Vorteil, da ich nie durch das Formeldenken, das von den Maßschneidern abverlangt wird, eingeschränkt wurde.

Da ich auch nicht nach nur einem bestimmten System gelernt habe, bin ich offen für Vergleiche, aber auch für kritisches Infragestellen.

 

Ich finde z.B. die optische Beurteilung einer Figur zusätzlich zum reinen Maßnehmen als sehr wichtig. Davon hört oder liest man eigentlich gar nichts. Man kann sich aber schon von vornherein Arbeit sparen.

 

 

LG Ursel

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Hallo Eboli,

 

ich finde Deinen Thread sehr interessant. Er ist einer der wenigen, den ich abonniert habe. Aber ich muß jetzt Ursel mal ein bißchen in Schutz nehmen. Du darfst ihre Maßschneiderei nicht mit dem Vertrieb der Garment Designer Software verwechseln. Und die Sportbekleidung, die sie herstellt, muß auch allerhöchsten Anforderungen genügen.

 

Es gibt nicht "den" richtigen Weg ein Kleidungsstück zu konstruieren und anzupassen. Es geht auch nicht darum, nur zu messen und dann zu nähen. Auch Schnitte, die mit mehr Maßen konstruiert werden, müssen noch angepaßt werden. Aber das Anpaßen fällt mir leichter, wenn meine persönlichen Eigenheiten schon ausgemessen und berücksichtigt sind.

Auch den Einwand von Ursel über die optische Beurteilung einer Figur kann ich nur unterstützen. Ich hatte das Glück bei ihr einen Kurs zu besuchen und sie hat mir beim Messen so viele Hinweise auf meine verbogene Figur gegeben, daß ich nur gestaunt habe.

 

Allerdings möchte ich hier eigentlich nicht über die Unterschiede von Maß-Schneidern zu Haute-Couture-Schneidern lesen und diskutieren. Ich würde viel lieber von Deinen Erfahrungen hören. Die finde ich sehr lehrreich und werde sicher viele davon berücksichtigen.

 

Liebe Grüße

Sabine

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ich möchte anmerken, dass ich nicht kritisieren wollte, sondern nur diskutieren.

 

Da ich meine Kunden nicht nur selber abmesse, sondern auch oft die Maße zugesandt bekommen, beschäftige ich mich schon sehr lange mit dem Thema "Maßnehmen" und wie man es Laien am besten erklärt, damit möglichst wenig Messfehler gemacht werden.

 

Das Thema ist einfach super interessant.

 

Deshalb nochmal Danke, dass Du Deine Erfahrungen mit uns teilst.

 

 

LG Ursel

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Ich finde z.B. die optische Beurteilung einer Figur zusätzlich zum reinen Maßnehmen als sehr wichtig. Davon hört oder liest man eigentlich gar nichts. Man kann sich aber schon von vornherein Arbeit sparen.

 

Figur beurteilen: Wo Du recht hast, hast Du recht.

Das mit dem Arbeit sparen sehe ich aber nicht wirklich, es sei denn, jemand zeichnet bei einer vollbusigen Frau die normale Müller-Schnittaufstellung. :ohnmacht: Dann muss nämlich alles nochmal gemacht werden...

Die ersten Arbeitsschritte bleiben in jedem Fall gleich: zeichnen, zuschneiden mit reichlich Nahtzugabe, heften, probieren/drapieren am lebenden Modell. Wie ich im OP geschrieben habe, nehme ich Haute-Couture-Verarbeitungsstunden. Kein Abkürzungsnähen und keine Maßkonfektion.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Du eine absolute Spezialistin für Deine Sportbekleidung bist, aber Deine Bemerkungen zum Halsansatzpunkt haben mich bezüglich Deiner Couture/Maßschneider-Erfahrung fragen lassen.

 

Wieviele Anproben machst Du für eine optimale Schützenjacke? Und was macht eine Schützenjacke optimal?

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Es geht auch nicht darum, nur zu messen und dann zu nähen. Auch Schnitte, die mit mehr Maßen konstruiert werden, müssen noch angepaßt werden. Aber das Anpaßen fällt mir leichter, wenn meine persönlichen Eigenheiten schon ausgemessen und berücksichtigt sind.

 

Genau. Das ist ja eine der Illusionen, dass man glaubt, wenn man nur die bekannten Schnittveränderungen eines Fertigschnitts macht, dann kann man jeden Schnitt sofort nähen. Probieren muss immer sein.

Ich glaube jedenfalls, dass die Arbeitsweise meiner Lehrerin die rationellste ist. Meine höhere rechte Hüfte hatten wir natürlich schon vorher entdeckt, aber sie hat sie erst bei der Anprobe abgesteckt, und das hat gerade mal zwei Minuten gedauert.

Übrigens gehen/gingen alle MaßschneiderInnen, die ich kenne, im Laufe der Zeit immer mehr vom Schnittzeichnen zum Drapieren über. Zuschnitt nur nach Augenmaß und mit reichlicher Zugabe, denn der Schnitt entstand/entsteht erst am Körper der Kundin.

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Wieviele Anproben machst Du für eine optimale Schützenjacke? Und was macht eine Schützenjacke optimal?

Wir fertigen eine Jacke oder einen Anzug im Laufe eines Tages an, mit 1-4 Anproben.

Eine Sportschützenjacke ist für den Sportler dann optimal, wenn er möglichst viel Stabilität im Rücken erhält, der Stützarm nicht wegrutscht, die 3 Stellungen liegend, stehend und kniend ohne Kneifen oder Spannen einzunehmen sind. Außerdem muss sie noch einem dicken Regelbuch entsprechen.

 

Da das Material aber 2,5mm dick und sehr steif ist, kann man die Arbeit überhaupt nicht mit Couture vergleichen.

 

Dieses Drapieren am Körper macht wohl am meisten Sinn, wenn man volumige Kleidungstücke für Frauen kreiert, oder? Da ja auch jeder Stoff anders fällt, kann man die Form sicher am besten direkt am Körper erzeugen.

 

Zu dem Messen vom hinteren Halspunkt bis zum Brustpunkt: Wie wird dabei der Schulterhalspunkt ermittelt?

Bei einer Figur mit Rundrücken kann der doch viel näher am hinteren Halspunkt liegen, als bei einer sehr aufrechten Figur.

Das ist mir halt unklar.

 

LG Ursel

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