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Joela's Blog

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Knippiekleid - die Größe


Joela

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Wo darf ein Schwangerschaftskleid weit sein? Klar, am Bauch. Auch sonst? Das bestimmt die Trägerin. Und wie sollen diese Maße auf ein Schnittmuster übertragen werden?

 

Bei einigen Rundgängen durch Läden habe ich festgestellt: Entweder ist Kleidung für Schwangere so groß, dass auch in XS eine Drillingsschwangerschft überstanden werden kann.

Oder so eng wie ein sehr sexy Abendkleid. So kann die Trägerin stolz ihren Bauch zeigen. Das kann frau mit Jersey ohne Probleme machen.

Nur in den teuren Spezialläden habe ich Bekleidung gefunden, die schnitttechnisch in der Mitte lag, nicht zu weit, nicht zu eng und dazu die Möglichkeit bot, in der Schwangerschaft, naja, mitzuwachsen. Kleidung die chic und pfiffig ist und sich anpasst. Mit klugen Lösungen für den Babybauch. Kleidung für Schwangere, die ein Mehrfaches als die in den Billigketten kostet. Aber ein Blick auf das Label genügt: auch die Sachen werden in Fernost produziert. Wer verdient hier?

Vom Stil her schwebt mir sowas vor.

 

 

Die Maßtabelle der Knippie lese ich mir gar nicht durch. Die verwirrt mich noch mehr. Holländische Maße machen mich schwindelig. Ich brauche das Gegenteil. Ich brauche andere Anhaltspunkte für die Größe.

Erschwerend kommt noch dazu, dass die Maße meines Modells, ungeachtet der Schwangerschaft, nicht auf eine einzige Größe hinweisen. Wie ein Flummi hüpfen die Werte durch die Tabelle.

 

 

Mit zwei Kleidern komme ich nach Hause. Viscosejersey, wadenlang, Colourblocking, eins in grau und dunkelblau, das andere in schwarz und hellgrau. Wickel-Optik, eins über der Taille gerüscht, das andere über der Taille in Falten gelegt.

Das sitzt und passt. An einigen Punkten. Und gefällt. An einigen Details.

 

 

Die Maße, die stimmen, notiere ich mir. Die Schulterbreite. Die Oberweite. (Die wird mindestens zwei Körbchenweite mehr, das rechne ich ein.) Die Unterbrustweite. Die Armlänge: gewünscht sind 7/8 Ärmel wegen der Arbeit. Die Hüftweite. Jetzt weiß ich so in etwa, wie das Kleid fertig auszusehen hat.

Da die gekauften Kleider dem Knippie-Kleid im Design ähneln, suche ich mir im Schnittmuster die Maße, die vor und nach dem Nähen gleich sind, also die Schulterweite schon mal. Die suche ich mir im Schnittmusterbogen . Das ist für mich schon mal ein Anhaltspunkt. Ich stelle fest, dass dieses Kleid ein Sack würde, wenn ich mich an die Größenangaben 36/38 der Knippie gehalten hätte.

 

 

Und noch eine Offenbarung: Ich danke der Burda, dass sie mich mit dem Taillenpunkt in ihren Schnittmustern bekannt gemacht hat, der vorderen Taillenlänge und der Brusttiefe in der Maßtabelle. Diese Punkte existieren. Und diese Punkte weichen hier in diesem Schnittmuster nicht nur ein paar Zentimeter von den realen Maßen des Modells ab.

 

 

Mutig switche ich auf meinem Schnittmusterbogen zwischen den Größen, verlängere, enge und weite und hoffe, beim Markieren meiner Schnittlinie fließende Übergänge zu bekommen. Einen kleinen Seitenblick werfe ich in das Buch Kleider nähen von Tanya Whelan. Das Buch für Selberbastler. Wie aus einem hervorragend bestückten Baukasten kann man sich aus Modellen für Oberteile und Rockteile sein Kleid selbst zusammenstellen. Mir bietet das ungeahnte Möglichkeiten. Die Schnitte sind in den Größen 32 - 54. Tanya hat auch ein Oberteil in Wickeloptik auf dem Schnittmusterbogen. Das kopiere ich mir raus und nehme es zu Hilfe.

Schnittanpassung wäre wohl ein neues Projekt. Schnittanpassung steht dringend an und ich freue mich darauf, mehr zu erfahren. Aber entweder ich beschäftige mich mit korrekter Schnittanpassung oder mit dem Knippie-Kleid. Bei dem Kleid arbeite ich gegen die Zeit. Langsam passt nichts mehr.

 

 

Ich nehme mein Skalpell und ein Hörbuch. Jürgen von der Lippe liest die Ahr-Krimis von Carsten Henn. Ist der gut, der hat Spaß beim Lesen, so wie ich jetzt. Ich liebe es Hörbücher zu hören und meine Hände etwas tun zu lassen.

Ich trenne die gekauften Kleider auf. Ich möchte ein Gefühl für die Proportionen eines Schwangerschaftskleides in der Größe, die mir vorschwebt, bekommen. Ich will wissen, wie die das genäht haben. Ich will wissen, wie groß die Teile waren, bevor sie vernäht wurden.

 

 

Kleinkinder haben ja auch eine destruktive Phase. Schmeissen alles auf den Boden und machen ihre Türmchen kaputt. Versagt man ihnen das, fehlt etwas Wichtiges in der Entwicklung.

 

 

Die Kleider waren billiger als der Stoff, den ich für das Knippie-Kleid besorgt habe. Wie machen die das? Die Kleider haben auffällige Gütesiegel für Schadstoffarmut und fairen Handel. Wenn der Handel so fair war, wie kommt dann der Preis zustande? Wenn die Kleider für Billiglöhne produziert wurden, wäre ich noch froh. Die Wahrheit ist, dass viele unserer Kleidung unter sklavenähnlichen Bedingungen genäht wurden. Heute gibt es mehr Sklaven als je in der Weltgeschichte zuvor. Die Herstellung von dem, was wir hier kaufen und in der Hand haben ist undurchschaubar geworden.

 

 

Und nein, beim Auftrennen sehe ich, die Kleidung ist nicht schnell genäht. Das könnte ich ja noch verstehen. Die Nähte sind sorgfältig, alles ist schön versäubert und gesichert. Wie machen die das?

 

 

Von den aufgetrennten Schnittteilen nehme ich die Maße. Mit den Maßen setze ich mich nochmal an meinen Knippie-Kleid-Schnittmusterbogen. Vergleiche und übertrage.

 

 

Das grau-blaue kürze ich. Für ein Kleid hat mir die Viscose zu wenig Stand. Aus dem Abschnitt mache ich einen breiten Bund. Das Kleid wird ein oberschenkellanges Longshirt. Vorher habe ich das gerüschte Rockteil in Falten gelegt. Die Rüschen waren zu bauschig. Ich habe einen Rest hellgrauen Vicosejersey in hellgrau. In Farbe und Qualität passend. Die kurzen hellgrauen Ärmel trenne ich auch ab und nähe 7/8-Ärmel aus meinem hellgrauen Jersey. Im Winter sieht das angezogener aus. Ach ja, und die Reste geben noch was her für einen Stoffbeutel in der rechten Seitennaht. Und weil es soviel Spaß macht, setze ich mich an das andere Kleid.

Vielleicht kann ich morgen zuschneiden.

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