Jump to content
Partner:
Babylock Overlock Bernina Nähmaschinen Brother Nähmaschinen Janome Nähmaschinen Juki Nähmaschinen
  • nowak
    nowak

    Mein Jahr mit dem Einhorn: dünner Stoff und Knopflöcher

    Sign in to follow this  

    Weiter geht es im Programm... da sich auch im letzten Artikel einige über die eingearbeiteten Nähtipps gefreut haben, mache ich damit hier auch gleich mal weiter.

     

    Das nächste nötige Projekt war ein Pyjama. Nachtwäsche zu nähen habe ich schon vor sehr langer Zeit angefangen. Das erste Mal als Studentin, weil ich gerne klassische Pyjamas mag, die aber teuer waren. Ein paar Meter simpler Baumwollstoff im Schlussverkauf aber billig. Und nach einer längeren Pause dann wieder, weil die Bekleidungsindustrie irgendwie der Meinung war, in meiner Größe müssten Schlafanzüge entweder mit niedlichen Mäuschen, Herzchen, Häschen oder (besonders geschmackvoll) Nilpferden dekoriert sein... oder aus 100 Prozent Polyester.

     

    Irgendwann habe ich dann realisiert, dass es nur wenig gibt, was nähtechnisch so nachhaltig ist, wie ein Pyjama oder ein anderer Schlafanzug. Nichts wird so viel Stunden getragen, nichts sonst über so viele Jahre. (Nachtwäsche fliegt bei mir raus, wenn sie sich auflöst...) Also rentiert es sich tatsächlich, ein wenig Zeit und Sorgfalt zu investieren. Klassische Pyjamas sind übrigens auch tolle Anfängerprojekte, weil ein glatter Baumwollstoff einfach zu verarbeiten ist und man auch mal das Thema Kragen, Revers und Knopflöcher üben kann, ohne dass es ein Desaster wird. Bzw. man kann es trotzdem anziehen, auch wenn was daneben geht. ;)

     

    Ich habe mir diesmal allerdings einen speziellen Stoff ausgesucht, von meinem letzten Besuch in Indien (der auch schon wieder sehr lange her ist), hatte ich noch ein langes Stück gestreiften Khadi-Stoff. Khadi sind in Heimarbeit hergestellte Produkte, in diesem Fall aus Baumwolle, die von Hand gesponnen, traditionell mit Pflanzenfarbe gefärbt und dann auf einem Handwebstuhl gewebt wurde. Der Faden ist relativ grob, mein Stoff vergleichsweise locker gewebt, Dadurch hat der Stoff zwar einen gewissen Stand, ist also nicht lappig, aber ist dennoch sehr dünn (Im Gegenlicht transparent, wie ich feststellen konnte) und etwas rau. (Was bei Hitze sehr angenehm ist, weil je weniger Auflagefläche auf der Haut, desto weniger klebt der Schweiß....)

     

    Mein Schnitt ist ein klassischer Pjyamaschnitt, den ich vor 20 Jahre oder so mal aus der Patrones genommen habe, inzwischen ein paar Mal hier und da vergößert und angepasst... aber da die letzten beiden Modelle noch passen, kann ich den wieder nehmen.

     

    Da mein Stoff sehr fein ist, nehme ich eine Organ Universalnadel in 70. Normalerweise hätte ich das mit dem Gradstichfuß genäht, denn der Stoff ist fein und außer bei den Knopflöchern kommt tatsächlich kein Zickzackstich vor. Einen Gradstichfuß habe ich für die Maschine aber nicht und um die Gradstichplatte zu montieren (die mitgeliefert wird) war ich zu faul. Also nähe ich einfach mit dem normalen Standardfuß 1D, also mit Obertransport los. (Ich meine... wo er schon da ist...)

     

    Stoff durch Zwickel erweitert, Bild nowak
    Mit farblich passendem Garn ist der Zwickel unauffällig.
    Bild: nowak

    Dann stelle ich fest, daß ich mit dem Gradstichfuß den Mund etwas voll genommen hatte... mein Stoff hat nämlich eine Besonderheit, die doch einen breiten Stich nötig macht... Handgewebte Stoffe sind schmaler und nach dem Waschen erst recht. Mein Hosenteil (das nur aus zwei Teilen besteht) passt einfach nicht ganz drauf. Die Hose braucht einen Zwickel.

     

    Das Schnittteil endet an der Webkante, ich suche mir dann zwei andere Stücke, auch an der Webkante, lege das etwa 7mm breit übereinander... und nähe mit dem genähten Ziickzackstich drüber. Maximale Breite. Das hätte ich mich bei 5mm Stichbreite nicht getraut, da wäre mir die Überlappung zu wenig gewesen.  Aber mit 9mm... prima. :classic_smile:

     

    Aber ab dann... nur noch Steppstich. Kein Zickzack. Das liegt nicht daran, dass der handgewebte Stoff nicht ausfransen würde. Das tut er, wie zu erwarten. (Da der Faden selber etwa rau ist, franst der Stoff nicht so schnell, wie industrielle Baumwollstoffe... aber letztlich natürlich schon.) Nein, ich nähe (fast) alle Nähte mit einer französischen Naht. Nur in breit.

     

    Normalerweise macht man französische Nähte (auch rechts-links Naht genannt), wenn man sehr schmale und unauffällige Nähte in feinen, leicht transparenten Geweben haben möchte, die aber trotzdem gegen ausfransen gesichert sind. Sie sehen von beiden Seiten sauber aus. Allerdings ist verwendet man sie normalerweise nicht bei Projekten, die häufig gewaschen und viel getragen werden. Denn die nur wenige Millimeter breite Nahtzugabe ist dann doch auch schnell am Ende.

     

    Verwendet man die Technik aber, um eine breite Naht zu machen, bekommt man eine angenehm flache Naht, die viele Jahre hält (oder Jahrzehnte...) und auch von beiden Seiten gut aussieht. Und die auch nicht schwer ist.

     

    Ich arbeite mit meiner Standardnahtzugabe von 1,5cm, am Ende sind meine sichtbaren Nahtzugaben dann etwa 8mm breit.

     

    Nähen und bügeln, Bild nowak
    Erst links auf links nähen, dann ausbügeln.
    Bild: nowak

    Die Schnittteile werden links auf links aufeinander gelegt. Also genau anders, als man das gewöhnt ist. Dann werden sie mit etwa 5-6 Millimetern Abstand zur Schnittkante zusammen genäht. Der Abstand muß weniger als die halbe Nahtzugabe sein, aber nicht zu wenig. 5-6 Millimeter haben sich bei mir über die Jahre bewährt für eine einfach zu nähende und lange haltbare Naht.

     

    Ich habe den Stoff am Nähfuß entlang geführt und die Nadel etwas nach rechts auf Position 4 verschoben. Die Stichlänge darf ruhig etwas länger sein, etwa 3mm, denn diese Naht sichert hinterher nur die Nahtzugabe.

     

    Danach wird die Naht erst flachgebügelt, dann auseinandergebügelt und dann werden die Schnittteile an diesem Bruch gefaltet, so dass sie, wie gewohnt, links auf links liegen. 

     

    (Wer genau hinsieht, dem fällt auf, dass die Schnittteile nach der ersten Naht nicht bündig liegen. Das ist normal, das Bild zeigt die Schulternaht und somit gibt es am Halsausschnitt eine Rundung. Erst bei der zweiten Naht, also auf der eigentlichen Nahtlinie, müssen die Schnittkanten dann genau passen. Bei der ersten wäre es sogar seltsam, wenn sie es täten.)

     

    Position der zweiten Naht, Bild Nowak
    Die zweite Naht kommt dahin, wo die Nahtzugaben
    sich kreuzen.
    Bild: nowak

    Und dann nähe ich noch mal nähfußbreit, diesmal mit der Standardstichlänge. - Insbesondere bei den Ärmeln sollte man sich allerdings vor der zweiten Naht gut vergewissern, dass man wirklich einen rechten und einen linken Ärmel genäht hat... besonders wenn sich, wie bei mir, die beiden Stoffseiten nicht sichtbar unterscheiden. (Nein, diesmal nicht... aber dass ich am Ende zwei linke oder zwei rechte Ärmel hatte kam mehr als einmal vor. Und besser, man muß nur eine Naht trennen, als zwei.)

     

    Wenn man sich unsicher ist, wo genau die zweite Naht hin muß... an die Stelle, wo die Nahtzugaben der beiden Teile genau an der gleichen Stelle enden. ;)  Falls man sich bei der ersten Naht also verschätzt oder vermessen hat, kann man das noch korrigieren.

     

    Noch mal bügeln... das ist schon alles. Die Schnittkanten sind auf magische Weise zwischen den Stofflagen verschwunden, alles sieht sauber und ordentlich aus. Die Seitennähte und die Schulternähte bügel ich nach hinten, das ist aber Geschmackssache. Bei der Hose bügel ich die innere Beinnaht ebenfalls nach hinten, die Schrittnaht dann in eine Richtung. Man kann aber auch die inneren Beinnähte einmal nach hinten und einmal nach vorne bügeln, dann liegen sie in der Kreuznaht dünner. Da mein Stoff eh dünn ist, war das nicht nötig.

     

    Bevor ich die zweite Naht nähe, habe ich sie sonst noch mal gesteckt, zumindest in größeren Abständen, damit sich die Stofflagen nicht verschieben. Mit dem Dualtransport ist das nicht mehr nötig. Selbst an der inneren Beinnaht, wo der Stoff schräg geschnitten ist, verschiebt sich nichts.

     

    Schulternaht von beiden Seiten
    Schulternaht von beiden Seiten: oben linke Seite, nach hinten gebügelt, unten rechte Seite.
    (Nein, den Streifenlauf habe ich nicht beachtet. Zum einen ist das bei nicht symmetrischen
    Streifenfolgen eh nicht wirklich möglich, zum anderen gab es genau eine Möglichkeit, alle Teile aus
    dem vorhandenen Stoff zuzuschneiden... )
    Bild: nowak

    Nur beim Ärmel einsetzen muß man dann doch stärker führen, weil da eine deutliche Rundung da ist und, abgesehen von der Nahtlinie bei der zweiten Naht, eben auf der einen Seite mehr Stoff ist, als auf der anderen. (Generell: Wenn der Ärmel selber nicht eingehalten werden muß, dann funktioniert auch die französische Naht für die Ärmeleinsatznaht. Eventuell muß man allerdings bei der ersten Naht den Ärmel in der Armkugel ein wenig einhalten, denn hier sind de Nahtlinien natürlich nicht gleich lang und gerade bei breiter Nahtzugabe, ist die Differenz auch größer. Da kann es also sein, daß man am Ende kleine Fältchen innen hat. Aber die stören nicht.)

     

    Die nächste Feinarbeit kommt dann beim Absteppen von Kragen und Revers. Da ich schmal absteppen will, aber keinen Fuß mit der entsprechenden Führung habe (zumindest nicht für diese Maschine und nicht für den Dualtransport), nutze ich die Innenkante der rechten Nähfuß"kufe", um den Stoff entlang zu schieben. Und die Nadelposition wird verstellt. Meinen Unterkragen habe ich mit leichter Einlage verstärkt, den Oberkragen nicht. Da der Stoff nur unter dem halben Nähfuß liegt und die Nahtlinie maximal von jeder Auflage entfernt ist, dazu mein Stoff sehr leicht, wirkt auch der Dualtransport keine Wunder. Hier gibt es erstmal ganz leichte Wellen in der oberen Stofflage. Lassen sich allerdings durch gute Führung (in dem Fall, den Stoff flach drücken) beseitigen.

     

    versäuberte Kragenansatznaht, Bild nowak
    Kragenansatznaht von innen
    Bild: nowak

    Da ich eine schöne Verarbeitung von innen und außen versprochen habe, gibt es jetzt einen kleinen Exkurs zur Versäuberung der Kragenansatznaht. Es gibt hinten keinen Beleg, der die Nahtzugaben versteckt. Früher habe ich bei dem Schnitt meist die Nahtzugaben in den Kragen hinein gebügelt und dann in der Kragenansatznaht abgesteppt. Da sich das auch als "Sollbruchstelle" gezeigt hat (ja, meist nach mehr als zehn Jahren, aber trotzdem...), habe ich mich diesmal für eine andere Lösung entschieden, die ich dann von Hand genäht habe.

     

    Ich habe einfach einen Stoffstreifen drüber genäht. Geplant war eigentlich ein Schrägstreifen aus dem Stoff. Aber auch 23 cm Schrägstreifen waren aus den Resten nicht mehr herauszubekommen. Stückeln wollte ich auf der kurzen Strecke auch nicht und in meinem Vorrat war auch nichts, was so spontan gut ausgesehen hätte.

     

    Also habe ich getrickst, habe mir einen etwa 3cm breite Streifen der Länge nach von der Nahtzugabe abgeschnitten. (Meine Nahtzugaben sind 1,5cm breit.) Die Nahtzugabe habe ich dann mit winzigen Handstichen und nicht zu fest knapp unter der Nahtzugabe am Halsausschnitt auf das Rückenteil genäht. Dabei habe ich mir Mühe gegeben, das Rückenteil dabei nicht einzuhalten. Im Gegensatz zu einem Schrägstreifen ist eine Nahtzugabe ja das Gegenteil von dehnbar und legt sich auch nicht gut um Kurven. Der Ausschnitt ist hier aber flach genug, dass es geht. Deswegen aber auch von Hand, eine Handnaht ist in der Regel "elastischer", hat etwas mehr Spiel, das hier gewünscht war.

     

    Die obere Kante habe ich dann nach innen eingeschlagen und wieder von Hand auf der Kragenansatznaht festgenäht. Da mein Stoff relativ lose gewebt ist, konnte ich diese Seite dann ganz gut an die Rundung "anmodelieren".

     

    (Geplant war es gewesen, einen Schrägstreifen an beiden Längskanten umzubügeln und dann mit der Maschine aufzusteppen... Aber gut 20cm von Hand sind überschaubar.)

     

    Führung aus Handmaß und Tesa, Bild nowak
    Handmaß und zwei Streifen Klebefilm ergeben
    eine breite Führung.
    Bild: nowak

    Wo der Dualtransport dann auch an seine Grenzen kommt ist der Saum. An der oberen Kante doppelt eingeschlagen, 4cm von der Bügelkante entfernt, nicht geheftet, nicht gesteckt... da verschieben sich die Stofflagen wahrnehmbar. War ebenfalls mit Führen des Stoffes zu beheben, ein paar Stecknadeln wären aber einfacher gewesen.

     

    Am Saum habe ich dann auch das erste Mal meine alte Maschine vermisst. Die hat nämlich ein Führungslineal, das man an den Nähtisch einhakt und dort quasi beliebig positionieren kann. Für sehr breite Naht- (oder im dem Fall Saum-) zugaben ist das einfach praktischer, als die Führung, die man an den Nähfuß schrauben kann.

     

    Aber gut, ein Handmaß und zwei Streifen Klebefilm helfen auch weiter...

     

    Dualtransport am schmalen Saum
    Kein Saum zu schmal für den Dualtransport, auch ohne heften.
    Bild: nowak

    Am Hosensaum hingegen spielte der Dualtransport erneut seine Stärke aus.

     

    Da der Stoff knapp war, reichte es nur für eine 7/8 Hose und da wollte ich nicht mehr Material an den Saum verschwenden, als irgend nötig. Also 1cm Saum, zwei Mal eingeschlagen. Gut gebügelt sowieso, aber möglichst genau auf dem Bruch genäht, wo der Stoff aber dreifach liegt... Schreit nach einem Heftfaden, oder?

     

    Die Zeit hat mir der Dualtransport aber wieder gespart. Von links genäht, damit ich sehe, wo ich nähe, aber der Höhenunterschied störte nicht und auch nicht die sehr schmale Saumkante.

     

    Meine Begeisterung für die 9mm Stichbreite ist vermutlich keinem entgangen (wo ich doch immer dachte, braucht kein Mensch... :rolleyes:)... auch der Taillengummi für die Pyjamahose ist mit dem genähten Zickzackstich in nur einer Naht zusammen genäht. (Mit noch bisschen vorwärts-rückwärts.) Sonst habe ich da immer kleine Rechtecke mit Zickzackstich genäht. Aber bei 9mm reicht mir das als Überdeckung.)

     

    Bevor ich zu den Knopflöchern komme, gibt es noch einen Exkurs... Zierstiche.

     

    Beim Blättern in der Anleitung war mir aufgefallen, dass die Maschine eine "Fliege" als Zierstich hat. (Das ist ein genähte Dreieck, das ans Ende eines Rockschlitzes genäht wird - meist von Hand - damit der nicht so leicht einreißt.) Da die Pyjama-Oberteile Seitenschlitze haben und das die Stelle ist, die erfahrungsgemäß als erste kaputt geht und einreißt (so nach zehn Jahren oder so... :classic_cool:), dachte ich mir, die könnte ich dann da doch mal ausprobieren.

     

    Dann dachte ich mir, die Schlitzsäume gleich  mit einem Zierstich säumen könnte auch nett aussehen. Und den Zierstich von den beiden Schlitzkanten genau auf dem Schlitzende zusammentreffen lassen, so daß das gesichert ist.

     

    Zierstiche
    Zierstiche, erst getestet, dann am Saum angewandt.
    Bild: nowak

    Und ich fing an, verschiedene Stiche auszuprobieren. All zu viel vor-zurück sollten sie nicht haben, denn der Schlitzsaum ist deutlich schmaler als der Nähfuß, also kann die Auflage des Transports nicht überall gleich stark sein. Zudem sollte der Zierstich generell nahe an der Kante verlaufen, so dass der Nähfuß nicht mal komplett auf dem Stoff aufliegt. Und man muß sein Schicksal jetzt nicht herausfordern... Ach ja, nett aussehen sollte es auch noch.

     

    Nun ja... die Maschine hat reichlich Stiche... also probierte ich eine Weile. Bis ich einen fand, der mir gefiel und der sich auch gut auf dem ungleich hohen Stoff nähen ließ. Wobei ich dann unten eine "Einleitung" aus fünf geraden Stichen genäht habe, denn so direkt auf der Stoffkante bei einem schmalen, aber doppelt gelegten Saum ohne viel Substanz im Stoff wollte die Maschine doch nicht gerne mit dem Zierstich anfangen. Nach fünf Stichen landet Stoff unter dem Dualtransport und ab da... näht super, vorwärts, seitwärts, rückwärts... mehr als gut gebügelt war der Stoff nicht, keine Nadeln, keine Heftstiche.

     

    Da einem die Maschine bei Zierstichen auch auf dem Display genau zeigt, an welcher Stelle des Musters sie gerade ist, kann man auch den Stop oder die Stelle, wo sich Muster treffen sollen sehr gut bestimmen.

     

    Was ich dummerweise vor lauter Begeisterung vergessen habe war, daß der Zierstich ja eigentlich eine Funktion haben sollten. Und deswegen genau am Ende des Schlitzes hätten zusammentreffen sollen, um diese Stelle zu sichern. :silly: Na gut, dann halt nur ein Zierstich.

     

    Bevor es dann an die Knopflöcher geht, wende ich  mich dem Handbuch zu. Denn so Nähfüße mit Knopflochschiene habe ich schon gesehen... aber noch nie verwendet. Meine alte hatte zwar ein Knopfloch, das man speichern konnte... aber noch nicht so was Komfortables. Also erst mal genau lesen, wie das funktioniert. :confused:

     

    Soweit der Plan, aber genau das erklärt jetzt weder das Handbuch noch die Hilfefunktion der Maschine. Das... weiß "man" offensichtlich heute. :o Okay, im Zweifelsfall einfach mal losnähen... aber was bedeutet zum Beispiel der kleine rote, verschiebbare Pfeil auf der Schiene? Stoppt das Knopfloch dann da? (Einige Tests später... nein, tut sie nicht. Das ist offensichtlich nur eine Markierung, die man einstellen kann, wenn man das Knopfloch auf dem Stoff markiert hat und dann manuell näht. Warum auch immer man das tun sollte... Also ja, wenn das Knopfloch länger sein soll, als die 3cm, die die Schiene erlaubt... aber... dann hilft mir die Markierung auch nichts...)

     

    Ausführlich wird erklärt, wie man ein Knopfloch manuell näht. Okay, das hätte ich jetzt selber gewusst.... Na gut, ich werde alt...

     

    Bestimmung der Knopflochgröße
    Automatische Bestimmung der Knopflochgröße am Display
    Bild: nowak

    Gut... dann halt einfach mal mutig ein automatisches Knopfloch gewählt. Um die Länge des Knopflochs zu bestimmen, kann ich auf dem Display einen Kreis größer oder kleiner stellen, bis er genau die Größe meines Knopfes hat. Einfach den Knopf drauflegen, bis der Kreis die gleiche Größe hat. Wann das der Fall ist, muß man noch selber entscheiden, einen Sensor im Display hat die Maschine nicht.

     

    Automatisch berechnet die Maschine dann aber das Knopfloch, 3mm länger. (Falls man einen besonders dicken Knopf hat, bei dem 3 mm nicht reichen, kann man aber auch einfach selber eine Länge angeben. Oder einen Knopf, der nicht rund ist.)

     

    Geht das jetzt einfacher als den Knopf mit Lehre oder Handmaß zu messen? Nein, nicht wirklich. Aber man muß das Messwerkzeug nicht erst suchen und man kann nicht vergessen, die Extralänge für das Knopfloch zuzugeben. Und gerade Anfängern wird die Unsicherheit genommen.

     

    Jetzt wird es spannend. Meine bisherige Maschine konnte auch gespeicherte Knopflöcher reproduzieren. Theoretisch. Praktisch mußte man, unter Verstellen der Balance, so viele Probeknopflöcher nähen, bis wirklich beide Raupen gleich lang gespeichert waren. - Habe ich also ungefähr zwei Mal gemacht und danach meine Knopflöcher wieder einzeln markiert und angezeichnet. :classic_rolleyes:

     

    Kann mein Einhorn das besser?

     

    Probeknopflöcher
    Einmal programmiert, zwei Mal gleich lang...
    Bild: nowak

    Kurzum: ja! Erst mal nähen ich natürlich eine Serie von Probeknopflöchern. Die tatsächlich alle gleich lang sind. - Da beide Raupen bei der B770 nach vorne genäht werden, ist das natürlich auch leichter zu bewerkstelligen.

     

    Am Pyjama wird es dann aber noch mal ungewohnt. Da man die Position des Knopflochs ja optisch besonders deutlich von der vorderen Kante ab wahrnimmt, habe ich den Beginn des Knopflochs auch immer da markiert. Das geht jetzt nicht mehr, man muß das hintere Ende markieren*. Und je weiter man von der Kante weg misst, desto schwieriger wird es, exakte Abstände zu bekommen. Und nicht zuletzt muß man sich dann auch drauf verlassen, dass die Maschine dann wirklich gleichmäßig lange Knopflöcher macht. Sehr gleichmäßig.

     

    Was sie zum Glück tut. :classic_laugh: So schnell hatte ich noch nie Knopflöcher genäht und markiert.

     

    (Und auch das bekannten "Probeknopflochsyndrom", also Probeknopfloch toll, aber sobald man an das echte Teil geht, auf einmal wieder ganz anders. tritt nicht auf.)

     

    Was mich dann etwas überrascht hat war, daß die Maschine ab der Markierung erst mal 2 mm rückwärts näht. So landen meine Knopflöcher dann etwas weiter von der vorderen Kante entfernt, als geplant. Was nicht schlimm ist, ich habe daraus aber gelernt, dass ich den Nähfuß etwas anders an die Startmarkierung setzen muß, als ich mir das gedacht habe. (Siehe oben... da wäre ein Handbucheintrag hilfreich gewesen.)

     

    Knopfloch
    ... und behält auch an der echten Stoffkante seine Länge!
    Bild: nowak

    Die Anzahl der Vernähstiche kommt mir eher sparsam vor, aber so auf den ersten Blick hält es. Vielleicht war ich da bisher auch immer etwas zu eifrig? Was mich dann etwas irritiert... wenn man die Schneidefunktion benutzt, macht die Maschine erst mal einen etwas unmotiverten Seitstich, bevor sie abschneidet. Am Pyjama fällt das nicht weiter auf. An einer Seidenbluse würde ich den vermutlich wieder auftrennen. Aber da würde ich dann eh die Fadenenden noch exakter von Hand nachschneiden, als die Automatik der Maschine das hinbekommt.

     

    Ich bin jedenfalls glücklich mit den identischen Knopflöchern. Die Feineinstellung, Breite der Raupen oder auch die Schnittbreite (also wie viel Platz zu Schneiden man zwischen den Raupen hat) habe ich noch gar nicht gebraucht. Wenn ich aber an dicken und etwas größer gewebten Stoff denke (Wintermantel etwa), ist das sicher nützlich. Die Schnittbreite verstellen zu können habe ich  mir in meinem Nähleben wirklich schon sehr oft gewünscht. (Und... ich liebe Kontrolle. Ich muß sie nicht ausüben, aber es ist gut zu wissen, dass ich könnte.)

     

    (Wer den fertigen Pyjama auch sehen will... den habe ich im Blog schon gezeigt.)

     

    Nächste Station der Reise mit meinem Einhorn? Jersey, denke ich...

     

    (* Ja, mir ist bewusst, dass das Wäscheknopfloch an beiden Seiten gleich aussieht und man anfangen kann, wo man will. Aber es gibt ja auch ein Augenknopfloch und andere Varianten, die nicht symmetrisch sind... und da muß man hinten anfangen. Und wenn ich mir jetzt eh was neues angewöhnen muß, dann kann ich es gleich so machen, dass es immer funktioniert. Und nicht nur meistens.)

     

     

    Sign in to follow this  


    User Feedback

    Recommended Comments

    Das B770/B790 ist die erste Bernina, die mein Interesse geweckt hat und Deine Artikel dazu machen sie immer spannender für mich

    Danke für´s anfixen ;)

    Share this comment


    Link to comment
    Share on other sites

    Hallo Nowak, kannst Du auch das Knopfloch so nähen, daß Du die erste Raupe nähst, dann auf die Rückwärtstaste drückst und die Maschine dann selbständig die richtige Länge zurück näht?

    Wenn ich Euch Einhörner so zuhöre, bin ich doch schon froh, daß ich mich mit meiner dicken "Bär"Nina angefreundet habe, dank Peterle.

    Share this comment


    Link to comment
    Share on other sites
    vor einer Stunde schrieb rotschopf5:

    Hallo Nowak, kannst Du auch das Knopfloch so nähen, daß Du die erste Raupe nähst, dann auf die Rückwärtstaste drückst und die Maschine dann selbständig die richtige Länge zurück näht?

     

    Ja klar, die Funktion gibt es auch noch.

    Share this comment


    Link to comment
    Share on other sites

    So wollte ich gerade stopfen. Mit der B830 funktioniert es mit dem Programm 22 genau so. Bei der B590 soll es laut Handbuch genauso gehen. Tut es aber nicht. Habe ich gerade beim Bettlaken stopfen gemerkt. Da muß ich anscheinend die Länge über den Drehknopf einstellen. Also Montag in Regensburg anrufen :ohnmacht:

    Share this comment


    Link to comment
    Share on other sites

    Die B540 macht die Knopflöcher genauso und das frau noch die Länge und auch die Schnittbreite und noch mehr einstellen kann finde ich auch klasse und sie sehen auch noch gut aus  :D

    Dein Pyjama ist toll geworden, super Stöffchen  :super:

    Share this comment


    Link to comment
    Share on other sites

    Danke für den tollen Bericht! :)

    Das Einhorn wird immer interessanter :cool:, auch wenn es bei mir nie einziehen wird.

     

    Liebe Grüsse

    Silvia

    Share this comment


    Link to comment
    Share on other sites

    Danke für die tollen Artikel zum Einhorn! Mir geht es wie @Quälgeist ... jedes Mal bin ich mehr und mehr interessiert an dieser Maschine :classic_rolleyes: 

     

    Viel Spaß mit dem nächsten Experiment!

    Share this comment


    Link to comment
    Share on other sites
    Am 16.5.2020 um 17:28 schrieb nowak:

    Die hat nämlich ein Führungslineal,

    Du hast bei der Neuen zweierlei dabei, also falls es ist wie bei meiner in Standard-Farben ;)

     

    Der Patchworkfuß Nr. 97 bringt ein anschraubbares Lineal mit https://www.bernina.com/de-DE/Zubehor-DE/Nahfusse/Patchwork/Patchworkfuss-97D

    und in den Fuß 1D (und einige andere) kann man das Kantenlineal hinten reinstecken, dazu die Schräubchen an den Füßen, die ich seit 1991 regelmäßig mit einem Handgriff mal wieder fest ziehe :D

    Das Kantenlineal in kurz rechts liegt der Maschine bei https://www.bernina.com/de-DE/Zubehor-DE/Zubehor-fur-Nahmaschinen/Unterstutzendes-Nahzubehor-de/Kantenlineal-rechts-und-links

    und mit Skala gibt es extra https://www.bernina.com/de-DE/Zubehor-DE/Zubehor-fur-Nahmaschinen/Unterstutzendes-Nahzubehor-de/Kantenlineal-mit-Skala

     

    Edited by akinom017

    Share this comment


    Link to comment
    Share on other sites

    Die Kantenlineale kenne. Also das vom Patchworkfuß habe ich noch nicht ausprobiert... aber die funktionieren bei großen Abständen nicht mehr oder nicht mehr genau. Wenn es nur gerade so im Fuß festgeschraubt ist, dann lockert sich das schnell.

     

    Und alle gehen nur so weit, wie der "Stab" geht.

     

    Die Virtuosa hat eines, das auf dem Anschiebetisch eingeschoben wird, das kann ich auch fünf, sieben oder zehn Zentimeter vom Nähfuß entfernt benutzen. Und da es länger ist als die Führung am Fuß, ist das bei großen, geraden Teilen auch genauer.

    Aber, siehe oben, Handmaß und Tesa tun es auch.

    Share this comment


    Link to comment
    Share on other sites

    @nowak Du meinst den https://www.bernina.com/de-DE/Zubehor-DE/Zubehor-fur-Nahmaschinen/Anschiebetische-de/Kantenanschlag-zu-Anschiebetisch

    den hatte die B580 auch die 770 bringt das nicht mit und ob es passt :nix: keine Ahnung, ist aber ggf. einzeln erhältlich.

    -- Nachtrag, kurze Recherche das Teil ist in passend einzeln erhältlich --

    Fällt für mich aber auch aus, ich nähe ja jetzt im Schrank ;)

    Edited by akinom017

    Share this comment


    Link to comment
    Share on other sites

    Ja, genau den.

     

    Der von der Virtuosa passt nicht, weil der Anschiebetisch ganz anders konstruiert ist.

     

    Wobei ich den auch nicht so oft brauche... von daher fallen mit glaube ich Sachen ein, die ich mir dringender kaufen will.

    Share this comment


    Link to comment
    Share on other sites
    vor 9 Minuten schrieb sikibo:

    Nicht? Die 790 hat es. Wundert mich, dass es bei der 770 nicht dabei ist.

    Ist so, auch die Beschreibung des Zubehörs im Handbuch sagt es. Wir haben das Teil also nicht beim Auspacken übersehen ;)

    Share this comment


    Link to comment
    Share on other sites

    Und es gibt so viele Zubehörteile... da können echt nicht alle dabei sein.

     

    Ich bin mir auch nicht sicher, wie viele Leute das benutzen. Auch ich benutze es ja nur selten.

    Share this comment


    Link to comment
    Share on other sites

    Von Clover gibt es jetzt ein Mehrfunktions-Kantenlineal aus Kunststoff, das mit einer Haftfläche auf der Maschiene befestigt wird. Hab ich vor einigen Wochen eine Vorstellung zu gesehen/gelesen. Fand ich sehr interessant. Bislang reicht mir aber ein rechteckiger Magnet auf der Stichplatte.

    Share this comment


    Link to comment
    Share on other sites

    Ich glaube, ich habe das bisher auch seltener als ein Mal im Jahr benutzt. Es war nett, weil es dabei war.

     

    Aber Handmaß und Tesa geht genauso, dafür muß ich nichts kaufen.

     

    Sollte ich das tatsächlich mal öfter brauchen, kann ich es mir immer noch dazu kaufen.

     

    (Gegen Haftflächen habe ich ein generelles Misstrauen... meine bisherigen Erfahrungen waren so, daß es entweder nicht haftete oder die HAftung dauerhafte Spuren hinterließ... :o)

    Share this comment


    Link to comment
    Share on other sites
    Am 16.5.2020 um 17:28 schrieb nowak:

    aber was bedeutet zum Beispiel der kleine rote, verschiebbare Pfeil auf der Schiene?

     

    Du kannst den auf die Länge des Knopfes schieben. Und dann den Fuß so aufsetzen, dass der Pfeil auf das gewünschte Ende des Knopflochs zeigt, also z.B. die vordere Mitte. Dann hast du automatisch deinen Anfangspunkt.

     

    Photo-2020-05-26-15-56-19_4861.JPG  Photo-2020-05-26-15-56-23_4862.JPG  Photo-2020-05-26-15-56-29_4863.JPG  Photo-2020-05-26-15-56-56_4864.JPG  Photo-2020-05-26-16-07-34_4866.JPG 

    Photo-2020-05-26-16-13-19_4868.JPG

     

    In der Theorie. In der Praxis ist das Zielen gar nicht so einfach :D. Das Auge wird übrigens, wie es sich gehört, über die Mitte hinaus gesetzt.

    Aber frag mich nicht, woher ich das habe :nix:

    Share this comment


    Link to comment
    Share on other sites

    Ah... ja so macht das sogar Sinn...

     

    Lieben Dank!

    Share this comment


    Link to comment
    Share on other sites

    Ein sehr schöner Artikel, liebe Marion! Und das Endergebnis gefällt mir auch so gut. Ich finde nur die Ärmellänge etwas lang aber das ist Geschmackssache.

    Vieles kommt mir von meiner Artista 180 bekannt vor, ist aber deutlich verfeinert. (Die hat auch eine Überholung nötig aber gerade im Moment wo man mehr Zeit hat braucht man die ja auch...).

     

    @sikibo Danke für die Erklärung des roten Pfeils, den hat mein Nähfuß auch. Hab es nicht einordnen können und ignoriert, werde es aber zukünftig mal testen.

     

    LG

    Adam

    (der inzwischen eigenes Internet hat und einen PC der sich auch einwählen kann und hoffentlich wieder öfter vorbeischaut!)

    Share this comment


    Link to comment
    Share on other sites
    vor 16 Stunden schrieb sewing Adam:

    der inzwischen eigenes Internet hat und einen PC der sich auch einwählen kann und hoffentlich wieder öfter vorbeischaut!)

    :super: Das würde mich schon mal ganz besonders freuen!

     

    Und die Ärmel am Pyjama sind perfekt.... wenn man sie einmal hochkrempelt. :lachen:

    Was dank ordentlicher Innenverarbeitung auch ohne Probleme geht.

     

    Da ich den Schnitt schon öfter genäht habe, habe ich  nur keine Ahnung, warum die diesmal länger geworden sind... :verwirrt:

    Share this comment


    Link to comment
    Share on other sites

    Ah, du krempelst, dann bin ich zufrieden XD Und besser zu lang als zu kurz ;)

     

    Ja, ich hoffe das ich das einrichten kann. Ich würd mich auch freuen, der Austausch hier ist immer was besonderes! :)

    Share this comment


    Link to comment
    Share on other sites


    Create an account or sign in to comment

    You need to be a member in order to leave a comment

    Create an account

    Sign up for a new account in our community. It's easy!

    Register a new account

    Sign in

    Already have an account? Sign in here.

    Sign In Now

×
×
  • Create New...

Important Information

We have placed cookies on your device to help make this website better. You can adjust your cookie settings, otherwise we'll assume you're okay to continue.