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Altertümchen
Markennamen, die kaum noch bekannt sind, Maschinen, die man bei vielen zur Deko stehen und mehr "Altes" gehört in diesen Forumsbereich.


Umbau einer Mauser St1323-103 - Oder: Wie man eine Industrieoverlock für 80€ bekommt

Altertümchen


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  #1  
Alt 26.12.2008, 14:17
anonymus
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Umbau einer Mauser St1323-103 - Oder: Wie man eine Industrieoverlock für 80€ bekommt

Hallo liebe Forenkollegen und Kolleginnen!

Nachdem verschiedene User Interesse an der Geschichte meiner Industrieoverlock geäußert haben, möchte ich euch hier mehr oder weniger ausführlich erzählen, wie wir es geschafft haben, eine ältere Industrieoverlock aus den 50er Jahren wieder voll funktionstüchtig zu bekommen, ohne dabei auf nicht mehr erhältliche Ersatzteile angewiesen zu sein.

Kurz und bündig: Das Teil ist alt, und es gibt nix mehr.





Erst einmal die Vorgeschichte:
Auf Ebay entdeckt, Startgebot 70€, ohne Angaben zur Funktionstüchtigkeit, sie sah aber SO interessant aus. Außerdem war der Standort nicht mal 30km von uns entfernt. Also schnell einen Termin ausgemacht, hingefahren und begutachtet. Sie stand verstaubt in einer Garage und in der Hoffnung, dass er das sperrige Teil endlich los werden würde, hat der Verkäufer sich selbst auf 35€ runtergehandelt. DAS nenn ich Verhandlungsgeschick.

Also eingeladen, ausgepackt, und mit der Hilfe einer overlockerfahrenen Nachbarin erstmal eingefädelt. Der alte Starkstromstecker war schnell durch einen modernen ausgetauscht und offenbar lief der Motor samtweich und rund.
Die erste Naht war extrem spannend. Und nur 25 cm lang, dann ging NICHTS mehr.

Und ab diesem Punkt wurde es Interessant.
In einer Nacht und Nebel Aktion zerlegten mein Vater und ich die gesamt Maschine auf der Suche nach dem Fehler. Die letzte entfernte Gehäuseabdeckung brachte dann den Schock: Der Zahnriemen hatte sich in seine molekularen Bestandteile aufgelöst. Das Drahtgeflecht ähnelte einem Haufen Stahlwolle und weder Zahnungen noch sonstige Maße waren erkennbar.


Die roten Krümel auf der Unterseite, genau, das war mal das Obermaterial des Zahnriemens.

Die tagelange Recherche u.a. durch Josef hier im Forum - Noch einmal herzlichsten Dank! - brachte die Gewissheit: Es gibt keinerlei Ersatzteile für diese Maschine, da dieses Zahnriemenmodul schon seit mindestens 30 Jahren nicht mehr hergestellt wird und es nicht einmal mehr technische Aufzeichnungen zur Maschine gibt.


Hier die alten Zahnräder ausgebaut.

Die Lösung musste abseits der bekannten Pfade gesucht werden. Mit Hilfe eines Industriemaschinen-Ersatzteilhändlers machten wir einen Antriebstechniker ausfindig, der sich an die 50er Jahre selbst noch klar genug erinnern konnte, um sich für das ungewöhnliche Projekt zu begeistern.
Mein Vater vermaß den Achsabstand und mit Hilfe weiterer Messdaten konnte er uns ein modernes Norm-Zahnriemenmodul berechnen und zusammenstellen: Anstatt nur den Zahnriemen auszutauschen tauschten wir "mal eben" die Zahnräder gleich mit. Preis der Teile inkl. Versand und einem zweiten Ersatzriemen ca 30€.


Der neue Zahnriemen und die zugehörigen Zahnräder.

"Mal eben" bedeutet: Einsatz der Drehbank, sofern man eine hat, handwerkliches Können und Improvisationstalent. Außerdem benötigt man einen netten Papa der jeden Scheiß mit macht, sich mit solchen technischen Dingen auskennt und - mal ehrlich - Blut geleckt hat.

Die neuen Zahnräder wurden so ausgedreht, dass sie an der korrekten Position auf die Wellen passten und mit Hilfe von gehärteten Bohrbuchsen wurden die Abstände zu Handrad und Keilriemenscheibe eingestellt. Zum Kürzen der Bohrbuchsen auf der Drehbank wurde mangels Keramikstahls die gute alte Flex benützt.


Die neuen Zahnräder in bearbeitetem (ausgedrehtem) Zustand.

Das Einsetzen der neuen Teile war relativ schnell erledigt, dann ging es zum Einstellen der beiden Wellen zueinander. Nur wenn Greifer (untere Welle) und Nadel (obere Welle) in der richtigen Position zueinander drehen, kann die Maschine auch ketteln - das versteht sich von selbst. Hier hätte man die Maschine zu einem Profi geben KÖNNEN, wir haben es allerdings auch selbst hinbekommen.
Das Zahnrad auf der unteren Welle wurde fixiert, das obere blieb lose und wurde Grad um Grad weiter gedreht. Bei jeder neuen Einstellung wurde die obere Welle fixiert, damit mit dem Handrad das Zusamenspiel der Wellen getestet werden konnte. Nach gefühlten 500 Einstellungen ;-) erschien endlich die gewünschte, saubere Kette. Ein erster Test mit einem Stück Stoff bestätigte: Das geht! Und sogar schneller als die anschließende Einstellung der Fadenspannung. ;-)


Eingebaut!


Und mit aufgelegtem Keilriemen - so soll's aussehen!


Was nun noch fehlt ist ein Ölwechsel, ein paar Päckchen Ersatznadeln (Siehe Thread: "Suche Overlocknadel") und ein Starkstromstecker im oberen Geschoss unseres Hauses - das soll aber das kleinste Problem sein. Öl ist bestellt, und meinen Vater erinnere ich gleich noch mit einem flehenden Blick, dass er morgen noch dringend in den Baumarkt muss. ;-)

Ergebnis: Die Maschine schnurrt nach ca 20 Arbeitsstunden wie ein Kätzchen, Gesamtkosten für die jetzt funktionierende Overlock: ca 80€ - Und das, nachdem man mir an tausend Stellen geraten hat, die Maschine gleich verschrotten zu lassen.
Ich kann bei solchen alten Schätzchen nur raten, sich nicht gleich entmutigen zu lassen - Ersatzteile sind nur EINE Lösung von mehreren.

Ich hoffe, diese Ausführungen waren verständlich und, im besten Fall für den einen oder anderen inspirierend. Für Fragen, Kommentare und schamlosen Neid stehe ich hier im Forum jederzeit zur Verfügung.

Geändert von Schnittlos-glücklich (26.12.2008 um 14:20 Uhr)
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  #2  
Alt 26.12.2008, 23:42
Benutzerbild von Gisela Becker
Gisela Becker Gisela Becker ist offline
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AW: Umbau einer Mauser St1323-103 - Oder: Wie man eine Industrieoverlock für 80€ beko

Gratuliere
ein tolles Ergebnis!

Gisela
__________________
die Stickoma
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  #3  
Alt 27.12.2008, 00:28
Dagmar400802 Dagmar400802 ist offline
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AW: Umbau einer Mauser St1323-103 - Oder: Wie man eine Industrieoverlock für 80€ beko

Gratulation!
Geht doch oder
Wo ein Wille ist ...

Dagmar
_____
Zitat:
Die roten Krümel auf der Unterseite, genau, das war mal das Obermaterial des Zahnriemens.
Ähnliches "durfte" ich bei meiner professionellen Stickmaschine (Bj.1997) vor vier Wochen auch feststellen, obwohl es eigentlich "NIE" oder "HÖCHST SELTEN" vorkommt. Allderdings konnte mir ein Ersatzriemen geliefert werden.
Zitat:
Zitat von dem -deutschen- Hersteller:
Wir verwenden ausschließlich Originalersatzteile, deren Lieferbarkeit wir selbst für ältere Maschinen (15 Jahre und älter) aufrechterhalten können.

Geändert von Dagmar400802 (27.12.2008 um 01:23 Uhr)
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  #4  
Alt 27.12.2008, 00:34
anonymus
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AW: Umbau einer Mauser St1323-103 - Oder: Wie man eine Industrieoverlock für 80€ beko

Vielen Dank ihr beiden!

@Dagmar: Na immerhin...! Es ist schon immer wieder ärgerlich, wenn eine Maschine plötzlich ausfällt, auf die man sich eigentlich verlassen hat. Ist deine Stickmaschine auch schon was älter? Legst du dir jetzt einen lebenslangen Vorrat an Zahnriemen zu?
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  #5  
Alt 27.12.2008, 00:43
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Pferdle Pferdle ist offline
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AW: Umbau einer Mauser St1323-103 - Oder: Wie man eine Industrieoverlock für 80€ beko

Toll....
Da lacht das Ingenieurherz.... . An so einer Bastelarbeit könnte ich mich auch erfreuen!

Supi!

Viel Freude damit!

Gruss
Claudi
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Stichworte
ersatzteile , mauser , overlock , reparatur , zahnriemen

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