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N!NA 26.10.2017 23:18

Mein Besuch bei der Bandweberei Kafka in Wuppertal
 
Mein Besuch bei der Bandweberei Kafka in Wuppertal

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Bild: N!NA

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Als Hobbyschneiderin denke ich bei Kafka nicht als erstes an den Schriftsteller sondern an eine kleine Bandweberei in Wuppertal. Schon länger hatte ich mir vorgenommen einen Besuch im Ruhrgebiet mit einem Abstecher nach Wuppertal zu verbinden. Diesen Sommer war es endlich soweit. Meine Besuchsplanung und die Öffnungszeiten der Bandweberei passten zusammen.

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Bild: N!NA

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Es handelt sich bei der Bandweberei nicht um ein „typisches“ Museum mit Schautafeln etc. sondern um einen echten Betrieb mit historischen Maschinen, den man besichtigen kann. Die Schautafeln braucht man allerdings auch deshalb nicht, weil man sehr herzlich und kompetent von den Mitarbeitern bei seinem Besuch betreut wird.

Die 25ig Webstühle sind auf zwei Etagen verteilt und alle in Betrieb. Am Wochenende haben sie in der Regel Pause und werden nur für die Besucher angestellt. Alleine das Gewicht der Webstühle ist beeindruckend und lässt meine Ehrfurcht für das historische Gebäude und seine Fähigkeiten steigen. Bereits früher war in dem Haus eine Weberei beheimatet, weshalb die Böden in der Lage sind, dass enorme Gewicht der Webstühle zu tragen. Als ein Webstuhl für uns gestartet wurde und die Schiffchen ihren Webtanz aufführten hatte ich das Gefühl, dass der Boden vibrierte. Unvorstellbar muss das Gefühl sein, wenn alle 25 Webstühle gleichzeitig arbeiten und ihre Schiffchen tanzen lassen. Vom Lärm mal ganz abgesehen … arbeiten ist hier nur mit Lärmschutz möglich.

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Bild: N!NA

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Die Webstühle sind teilweise über 100 Jahre alt (einer hat sogar bereits ca. 120 Jahre auf dem Buckel) und werden mit Strom betrieben. Ein besonderes Exemplar wurde früher mit Dampf betrieben, ist aber auf den Betrieb mit Strom umgebaut worden. Jede Maschine hat ihren eigenen Charakter und deshalb selbstverständlich auch einen eigenen Namen. Irgendwie Charmant.

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Bild: N!NA

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Bild: N!NA

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Ihre Aufgabe, das Webmuster, bekommen die Webstühle durch eine Lochkarte übermittelt. Eine Lochkarte besteht aus vielen Streifen und jedes Loch steht für einen Stich im Raport. Ist ein Raport abgearbeitet, sind alle Streifen abgearbeitet, beginnt die Runde wieder von vorne. Die Lochkarten werden eigens bei Kafka für die Webstühle hergestellt. Einer der beiden hauptberuflichen Weber erzählte, dass das Herstellen von Lochkarten früher ein eigener Lehrberuf war. Heute ist das Wissen um die Herstellung der Karten fast verschwunden. Die Weber konnten zum Glück noch einen begeisterten Senior davon überzeugen sein Wissen mit ihnen zu teilen und so lebt dieses Wissen weiter und wird praktisch angewandt. Inzwischen stellen die Wuppertaler auch Lochkarten für andere Manufakturen her. Über 1000 Muster bzw. Lochkarten stehen aktuell zur Verfügung. Tendenz steigend.

Die Herstellung der Lochkarten erfolgt in drei Schritten:
1. Entwurf des Designs
2. Umsetzung des Desings in ein Stichmuster
3. Stichmuster wird als Lochkarte umgesetzt

Früher ließen viele Firmen ihre Etiketten weben und für jedes Etikett musste eine eigene Lochkarte herstellt werden. Alleine die Herstellung der Lochkarte ist ein Kostenfaktor den ich ohne die Besichtigung der Bandweberei nie beachtet hätte. Auch heute gönnen sich Firmen noch diese besonderen Etiketten, wie wir auf den Webstühlen besichtigen konnten.



In Wuppertal wird fast ausschließlich Baumwolle verarbeitet. Die Baumwolle kommt aus Ägypten und wird in Süddeutschland gefärbt. Früher konnte die Baumwolle direkt in der Nachbarschaft gefärbt werden, aber die Wuppertaler Färberei musste ihre Pforten leider schließen. Die gefärbte Baumwolle wird von den Webern von großen Konen auf kleine Garnrollen umgespuhlt, damit sie zu den Webstühlen und den Schiffchen passen.

Die Geschwindigkeit mit der ein Webstuhl ein Band weben kann hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen natürlich von der Breite und zum anderen beispielsweise vom Muster.

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Bild: N!NA

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Für dieses Muster braucht ein Webstuhl eine gefühlte Ewigkeit. In einer Stunde werden 40cm gewebt. „Da bisse nur am Rotieren!“ meinte der Weber zu dem Band und meine Begeisterung und mein Respekt für diese Handwerkskunst stieg weiter an. Von Massenproduktion ist man hier weit entfernt und das fühlt sich in diesem Historischen Rahmen genau richtig an.
Doch nicht ich allein bin von diesem Handwerk begeistert. Auch Designer wie Lena Hoschek greifen auf die Kunstfertigkeit der Wuppertaler zurück und verarbeiten die Bänder in ihren Kollektionen. Auf der diesjährigen FashionWeek in Berlin konnte man so einige Kafka-Bänder an den Modellen bewundern.

Mein Kind hatte bei den Bändern neben den schönen Motiven einen ganz pragmatischen Ansatz: „Mama, die kratzen ja gar nicht! Die sind ganz weich!“. Da Baumwollbänder einen gewebten Rand haben und nicht wie Polyesterbänder mit einem heißen Faden zurechtgeschnitten werden, haben sie eine weiche Kante. Da kratzt nichts. Allerdings fand mein Kind die Webstühle etwas laut und war froh als wieder Ruhe einkehrte ;-)

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Bild: N!NA

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Wir waren als ganz normale Besucher dort und wurden sehr herzlich empfangen und herumgeführt. Alles wurde uns ausführlich gezeigt und vorgeführt. Keine Frage blieb unbeantwortet. Die Liebe zu diesem Gewerk und die Leidenschaft der Mitarbeiter spürt man. Mich persönlich begeistern diese „gelebte Geschichte“ und die Passion der Mitarbeiter für das Produkt.

Es war ein sehr schöner Besuch, den ich jedem ans Herz legen kann, der gerne mal einen Blick hinter die Kulissen einer Manufaktur werfen möchte.

Internetauftritt: BANDWEBEREI KAFKA
Besucheranschrift: Bandweberei und Museum Kafka, Öhder Straße 47 und 49 in 42289 Wuppertal

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Bild: N!NA

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Bild: N!NA

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mcmopel 28.10.2017 09:27

AW: Mein Besuch bei der Bandweberei Kafka in Wuppertal
 
Bin Kafka auf der Creativa begegnet:D Und konnte nicht wieder stehen . Sind schon etwas teuerer aber gerechtfertigt
Danke für deinen Bericht

Jettel 28.10.2017 09:35

AW: Mein Besuch bei der Bandweberei Kafka in Wuppertal
 
Danke für den Bericht und die Bilder. Das weckt doch das Interesse sich das alles mal persönlich anzusehen.
LG Gisela

Rumpelstilz 28.10.2017 10:33

AW: Mein Besuch bei der Bandweberei Kafka in Wuppertal
 
Danke für den schönen Bericht! Ich kann mich für solche "frühindustriellen" Fertigungen auch sehr begeistern. Die Bandweberei liegt zwar für mich nicht am Weg, aber man kann ja nie wissen.

Rumpelstilz 28.10.2017 10:36

AW: Mein Besuch bei der Bandweberei Kafka in Wuppertal
 
Grad habe ich entdeckt, es gibt auch einen Onlineshop!
Die Bänder sind schon teurer als was man sonst so als Webband kauft, aber auch nicht so enorm, finde ich.


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